Mein Weg - Vom Hilfe annehmen zur Therapie

Ich war ein Mensch, der durch das Leben ging, ohne Rast. Im ständige streben nach dem perfekt-sein und unter dem Motto "Geht nicht, gibt es nicht". Ich wuppte den gesamten Alltag in der Familie und hatte am Ende eine 60 Stunden Arbeitswoche. Ich schaute danach es allen Recht zu machen. Ich stand in der Familie mit allen Problemen allein da. Mein Job war die Hölle. Aus Existenzangst hielt ich viele Jahre Bossing und Mobbing durch. Irgendwann war mein Fass voll. Der letzte Tropfen brachte das Fass zum überlaufen.

 

„Du bist nur noch negativ!“. Diese Worte brachten mich dazu einige Online-Test-Bogen zur Depression ehrlich auszufüllen. Ich bin gnadenlos durchgefallen. Das heißt, im Ergebnis wurde mir stets ein sofortiger Arztbesuch angeraten. Am 27.05.2011 befolgte ich diesen Rat und ging zu meiner Hausärztin. Diese schrieb mich sofort lange krank und überwies mich in die Tagesklinik Guben. Die leitende Ärztin der Tagesklinik überwies mich umgehend auf die Psychiatrische Station des Krankenhauses Spremberg ein. 

Die Macht der Psyche

Ich lernte, dass die Psyche, alles aber auch alles im Leben, steuern konnte. Sie hat die Macht, mein Leben absolut zu verändern. Sie hat die Macht mich aus dem Leben heraus zu nehmen. Sie ist verantwortlich für meine Antriebslosigkeit, meine innerliche Leere, die Gefühllosigkeit, die emotionale Teilnahmslosigkeit, meine Lebensgleichgültigkeit, die minimale Belastbarkeit, die Teilnahmslosigkeit, meine Inaktivität, die Menschenscheue, meine Geräuschempfindlichkeit und meine Angst, ja auch für meine Suizidgedanken. Sie hat die Macht all meine unverarbeiteten negativen Erlebnisse im Leben, an die Oberfläche zu holen. Dazu warf sie noch all meine Ängste, all meine Hilflosigkeit und all mein „Versagen“ über mich.

Neues Bewusstsein lenkt meine Schritte

Mir wurde sehr hart bewusst, dass meine negativen uralten Glaubenssätze, mein Leben bestimmt haben. Sie haben mich darüber hinaus zur leichten Beute für Missbrauch und Ausbeutung gemacht.

Ich hatte nicht gelernt auf mich selbst zu achten, mich zu behaupten, NEIN zu sagen oder um Hilfe zu bitten. Ich bin für alles selbst und allein verantwortlich, gibt dein Bestes, sei möglichst perfekt, dass hatte ich in frühester Kindheit so gelernt und ich lebte es. Bis 2011.

Ich selbst bin dafür verantwortlich. Ich selbst habe es zugelassen. Ich habe es nicht anders gewusst. Ich habe mein bestes gegeben. Ich habe überlebt.

Ich bin für mich verantwortlich, noch immer. Aber ich bin nicht dafür verantwortlich, ob es anderen gefällt. Seit 2011 lerne ich meine Glaubenssätze positiv zu verändern. Ja, nur ich selbst kann es ändern. Ganz langsam, Schritt für Schritt.


Depressionen brauchen Therapie. Therapeuten-Suche bedeutet oft geduldiges Warten, wenn man das Glück hat, überhaupt auf eine Liste zu gelangen.

2011 - 2019 Vom Hausarzt bis zur Trauma-Klinik

Vom Hausarzt in die Psychiatrie

Viel zu spät ging ich zu meiner Hausärztin. Ich wusste genau was sie sagen würde und ich vertraute ihr. Ich hatte damals das große Glück eine Hausärztin zu haben, die sich mit alternativer Medizin und mit dem Krankheitsbild Depression auseinandersetzte. Es kam wie es kommen musste. Sie schüttelte nur mit dem Kopf, schrieb mich sofort 4 Wochen krank und übergab mir die Überweisung in die Tagesklinik.

 

 Da stand ich nun. Ich hatte Depressionen. ICH.

 

Im Anschluss an den Hausarztbesuch machte ich mich sofort (pflichtgemäß) zur Tagesklinik auf und gab dort die Überweisung ab. Nach 4 Wochen  kam der Termin zum Erstgespräch. Das Gespräch dauert nicht lange, denn nach ein paar Minuten stand für die Ärztin fest: "Ich kann sie hier nicht aufnehmen. Sie sind viel zu instabil. Ich möchte sie gern stationär einweisen". NEIN, im Gottes Willen, nein - war meine Reaktion. "Sie können wählen. Entweder sie gehen in die Klinik oder sie machen so weiter wie bisher und es wird sich nichts verändern." Heulend stimmte ich der stationären Behandlung zu. Die Ärztin telefonierte mit der Klinik und 3 Tage später war ich im Krankenhaus.

 

ICH! ICH war in der Psychiatrie. 

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