Himmelsleiter - Wut & Ärger dürfen sein. Richte die Wut nicht gegen dich selbst, sondern auf die V

Himmelsleiter - Wut & Ärger dürfen sein

Heute sicherte Michael meine Therapie ab. Ich hätte allein den Weg nicht bewältigt.

 

"Wie geht es ihnen heute?", fragt meine Therapeutin.

Mir geht es seit Tagen echt Scheiße, antworte ich nachdrücklich. Was sollte ich auch sagen, schlecht hätte mein Befinden derzeit nicht wirklich benannt.

 

Wie erwartet, stellte daraufhin, meine Therapeutin die Frage: "Warum geht es ihnen schlecht?".  Ich weiß es nicht, antwortete ich.

 

"Wie ging es ihnen nach der letzten Therapiestunde?"

Ich erzählte von meinem Blog zum Thema, von meinen Erkenntnissen, die mir verdeutlicht hatten, an welcher Stelle ich stand und wohin ich gehen wollte.

 

Ja, auch heute ist es mir in meinem Kopf, völlig klar. Ich habe wieder gute Zeiten, in denen ich das Leben wieder spüre. Ich bin so dankbar dafür, dass ich diese Tage und Stunden endlich habe. Ich habe so lange dafür gekämpft. Ja, ich darf leben, aber bitte entsprechend meiner Leistungsfähigkeit. Nein ich bin nicht gesund und ich muss weiter gehen.  Ich kann zufrieden sein, mit dem was ich erreicht habe und wie ich jetzt lebe, im Achterbahnmodus auf Lebenszeit. Wenn ich wieder frei leben möchte, wirklich leben möchte, ist mein Weg an dieser Stelle noch nicht zu Ende. Ich muss weitergehen, auch wenn es weh tut und sich mir hässliche Fratzen in den Weg stellen. Das ist mir sehr bewusst und ich werde diesen Weg gehen. Mit dieser Erkenntnis ging es mir besser. Ich hatte MEINEN klaren Weg.

 

Nacht - Hässliche Fratzen tanzen Samba in meinen Träumen

Im Anschluss erzähle ich wie ich mich über die Woche gehangelt habe, von meinem Wochenende im Garnichts und von meinen hässlichen Träumen, die mir die Sinne und die Kraft rauben. Ich erzähle von den hässlichen Fratzen, die sich im Traum die Hand reichen, die in Situationen eintauchen wo sie nicht hingehören und die sich jetzt seit Tagen in meinem Kopf wohl fühlen. Erzähle von meinen erfolglosen SKILL-Versuchen und davon dass mir vorkomme wie im Kino. Gezwungen im Kino, wo ein Film läuft - in Farbbildern und Ton - den ich nicht möchte, der mir Angst bringt und den ich nicht abstellen kann. Nur der Wecker holt mich aus dem Wahnsinn, von irgendwo tief her und rettet mich. Doch in den Tag komme ich nicht wirklich. Er vergeht. Irgendwie.

"Was zeigt sich in allen ihren Bildern?" Angst, antworte ich, obwohl ich nicht weiß, was sich mir in den Bildern zeigt, außer den hässlichen Fratzen. Meine Therapeutin zeichnet nun einen offenen "Topf" und wir beginnen die furchtbarsten und beständigsten Bilder zu benennen, den Täter dazu und mein Alter.  Bei 6 Bildern hören wir auf. "Bemerken sie was alle gemeinsam haben?" Was fühlen sie?" Wo ist die Ursache? Das gemalte Bild erlebe ich als furchtbar. Es zeigt so furchtbar deutlich auf, was ich so sehr vermeide, immer noch.

Ich habe den Eindruck, es ist Angst, die da sehr sichtbar wird. Diese Meinung teilt meine Therapeutin nicht. Sie vermutet, dass da ganz viel Wut und Ärger tobt. Wut und Ärger die endlich frei sind. "Schauen sie mal auf das Diagramm, wo ihr Denken ist und schauen sie nach, welche Gefühle damit verbunden sind." Ich lande bei Wut und Ärger.

 

Der Topf ist offen, der Deckel ist verschwunden

Ich habe es schwer Wut und Ärger anzunehmen. Auch das hat seine Gründe in alten Glaubenssätzen. Wut und Ärger sind bei MIR mit Gewalt verbunden, von Ohrfeigen bis ... Wut und Ärger haben nie positives bewirkt und Situationen meistens noch negativ verstärkt, von Kindheits-Beinen an. Heute vermeide ich Auseinandersetzungen, Konflikte, Wut, Ärger und Angst. Das kostet mich Kraft und behindert bzw. blockiert mich. Nun ist alles da, raus aus dem Topf. Ich muss lernen, sie anzunehmen. Anzunehmen, dass auch diese Gefühle ihre Daseinsberechtigung haben. Annehmen, dass auch diese Gefühle sein dürfen. Annehmen, dass diese Gefühle NICHT Gewalt auslösen. Annehmen das diese Gefühle auch positive Wirkungen haben können.

 

Ich brauche keine Angst haben vor meiner Wut und meinem Ärger. Doch ich muss lernen die Richtung zu bestimmen. Wut und Ärger über Geschehnisse, Handlungsweisen, Reaktionen, psychische und körperliche Gewalt gehören nicht zu mir. Ich habe diese Dinge nicht verursacht. Es wurde mit mir getan. Das heißt ich muss mich nicht selbst wütend beschimpfen und erniedrigen. Das gehört nicht zu mir. "Sie sind nicht Schuld. Sie haben diese Dinge nicht getan. Sie haben im Rahmen ihrer Möglichkeiten gehandelt und gelebt. Ihr Wut gehört zu den Menschen, die sie dahin gebracht haben, die diese Dinge noch verstärkt und gefördert haben, angefangen mit ihrem Vater."

 

Ich habe ein Problem damit. Ja, wieder sind es alte Glaubenssätze, die da sofort einschreiten. Und ja, ich weiß genau welche Person das immer gesagt hat. In mir steigt Widerstand auf. "Mach nicht andere für etwas verantwortlich, was du selbst verursacht hast! Zeige nicht auf andere, sieh dich selbst an!" Ja, ich war immer selbst schuld.

 

Ergebnisse und Erkenntnisse

An dieser Stelle ist jetzt Schluss! Nein, ich war! und ich bin nicht immer Schuld, denke ich.

 

"Sie sind gut. Sie sind so gut voran gekommen. Sie setzen so toll ihr gelerntes Wissen um und ein. Sie kämpfen sich voran. Sie gehen nicht mehr jeder Konfliktsituation aus dem Weg. Sie gehen regelmäßig zur Ergotherapie, halten dort die unterschiedlichen Mitpatienten aus, gehen einkaufen ... Sie sagen mir was sie denken und ihre Wut zwingt mit, auch wenn sie das überhaupt nicht wollen. Sie schwingt mit. Ja, ich war auch verärgert, aber ich bin noch da und sie sind auch noch da. Wir haben es nicht beendet oder haben Gewalt ausgeübt. Wir haben uns gerieben und haben gemeinsam ein sehr gutes Ergebnis gefunden. Sie haben keinen Grund sich selbst gegenüber wütend zu sein!"

 

Die Worte meiner Therapeutin sitzen. In mir würgt es. Langsam begreife ich, dass all dieses Fratzen mich besuchen, damit ich endlich auch die Gefühle zulasse, die ich nicht will. Doch diese Fratzen sollten sorgsam verwahrt werden, im TRESOR, um sie nach einander wieder heraus zu holen, anzuschauen und sie zu töten.

 

 

"Versuchen sie zu Hause, diese Dinge in den "TRESOR" zu legen". Ich hoffe es gelingt ihnen, damit sie wieder erholsamen Schlaf finden. Gelingt es ihnen nicht, werden wir in der nächtsten Stunde gemeinsam versuchen sie erst einmal zum Schweigen zu bringen", verabschiedet sich meine Therapeutin. Wir wollen ja Beide einen erholsamen und wundervollen Urlaub genießen.

Es gibt nur einen Weg für MICH. Ich habe ihn vor 7 Jahren begonnen. Ich kann jetzt nicht stehen bleiben. Nein, was ich jetzt an LEBEN habe, reicht mir nicht. Deshalb muss ich weiter gehen, auch wenn es weh tut. Wenn irgendwann doch einmal der Punkt erreicht wird, wo nichts mehr geht, dann ist es so. Dann will ich aber sicher sein, mein Bestmöglichstes getan zu haben. Was anderes könnte ich mir nie verzeihen. Ich will LEBEN mit allen Sinnen und Gefühlen!

 

Nachbemerkung:

Auch wenn die Aussagen meiner Therapeutin in "-" stehen, sind diese nicht wörtlich zu nehmen. Sie sind auf der Grundlage meines Gedächtnisses aufgeschrieben, mit meinen Worten vermischt und natürlich mit meinem Verständnis verbunden. Meine Gedanken richten sich nicht NICHT gegen die Therapeutin. Es ist das, was in MIR vorgeht. Daraus können für mich Klärungsbedarfe klar werden, die ich in der Therapie ausspreche bzw. lese ich meinen Blog/Text der Therapeutin vor. Meine Therapeutin sieht mich aus einer anderen Perspektive, viel klarer und reibt sich manchmal auch mit mir. Das darf sein. Veränderung kommt von aussprechen. Fragen und Widerstände in mir dürfen, können und sollen in der Therapie, über Selbsterkenntnisse ihre Antworten erhalten. Nur so, kann ich MEINEN Weg finden. Meine Therapeutin unterstützt mich dabei. Lies bitte auch den weiterführenden Blog. DANKE  

 

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