Gelöst und mutig verlasse ich die Therapie. Ich habe die Verantwortung. Ich bin Täter. Ich bin Ignorant. ICH

Gelöst und mutig verlasse ich heute die Therapie.

Heute war ich voll beladen mit meinen eigenen Erkenntnissen, Fragen und Zerwürfnissen in die Therapiestunde gegangen. Ich entlud meine Flut an Gedanken. Ich entlud meine innere Müdigkeit und meine Gedanken um die letzten Therapiestunden.

 

Ich erkenne sehr schnell, all meine Gedanken und Erkenntnisse sind richtig und wichtig für mich. All meine Gedanken und Erkenntnisse zeigen mir selbst, meinen Handlungsbedarf auf. All meine Gedanken lassen mich Wege erkennen, Wege zu mir selbst. Zu dem Menschen der ich bin. NICHT zu dem Menschen der ich war, zu sein hatte oder für andere sein wollte. All meine Gedanken weisen mir die richtige Richtung, werden aber von mir selbst kaputt gehauen und gegen mich selbst verwandt. Ich bin hart und unerbittlich zu mir selbst.

 

Ich habe die Verantwortung, ich bin Täter und ich bin Ignorant.

Worte die mir sehr hart zusetzen, die sehr hart sind, weil sie doch meine „Unzulänglichkeiten“ aufdecken. Ich ist wurde bewusst, dass ich Verantwortung ablehne und abgebe, dass ich selbst mich überfordere, ich mich selbst ignoriere. Ich stelle Anforderungen an mich, die ich nur durch Überforderung erreichen kann. Erreiche ich sie nicht oder geht es mir danach schlecht, bediene ich mein negatives Selbstbild – Ich kann nichts richtig machen – Ich bin nicht gut genug -. Ich schaue zu hart auf mich selbst und übersehe dabei, wie viel ich schon erreicht habe, wieviele Dinge ich heute wieder kann, wie viele Dinge ich jetzt wieder erlebt und ja auch gefühlt habe. Ich schaue auf das, was ich nicht erreicht habe bzw. was ich, meiner Meinung nach, nicht erreicht habe.

 

Ich habe die Verantwortung, ich bin Täter und ich bin Ignorant.

Verdrehte Rückschau auf die letzten Wochen:

  • Ich habe meine Struktur nicht eingehalten.
  • Ich bin nicht viel draußen gewesen.
  • Ich bin nicht einkaufen gegangen.
  • Ich hadere mit mir, mit den Worten Verantwortung, Täter und Ignoranz. Täter ist sehr negativ besetzt. Als ich zusammenbrach wollte ich keine Verantwortung mehr übernehmen und dieser Gedanke ist noch in mir.
  • Ich kann nur ganz oder gar nicht. Perfekt oder eben falsch.
  • Ich kann die Schönheit nicht erleben, meine Emotionen fehlen mir.
  • Ich erkenne erst nach der Handlung meine Überforderung, sofort gefolgt von „DU KANNST NICHTS RICHTIG MACHEN“ und „LERNST DU ES DENN NIE“.

Ich habe die Verantwortung, ich bin Täter und ich bin Ignorant.

Berichtigte Rückschau auf die letzten Wochen:

  • Ich habe meine Struktur eingehalten!!! Auch wenn ich Tage im Nichts verbracht habe. Wichtig ist, ich habe am nächsten Tag, die Struktur wieder eingehalten. Jeder Tag ist nicht gleich, auch bei gesunden Menschen nicht!
  • Ich habe Alltagsaufgaben gemeistert!!! Auch wenn ich nicht jeden Tag etwas erledigt habe oder nicht so wie ich es wollte.
  • Ich habe in der Woche etwas geschafft!!! Ich bin zur Ergotherapie gegangen.
  • Ich habe für mich gesorgt!!! Ich bin danach nicht einkaufen gegangen bin, weil es mir nicht gut ging.
  • Die Erkenntnis, dass ICH mich überfordert habe, ist positiv!!! Ich habe es erkannt.
  • Wenn ich etwas innerhalb meiner Grenzen erledige, tut es mir gut! Ich schaffe es! Das ist perfekt!!! Ich bin krank und kann es nicht anders.
  • Ich kann die Schönheit erleben und meine Emotionen sind da, aber eben nicht immer in dem Maße wie ich sie möchte bzw. schon erfahren habe. Aber sie sind da.

Ich habe die Verantwortung, ich bin Täter und ich bin Ignorant.

Ich habe mich mit Verantwortung, Täter und Ignoranz auseinander gesetzt. Ich habe meine Erkenntnisse dazu gefunden. Ja, diese Erkenntnisse sind schmerzhaft. ABER sie sind ein ganz wichtiger Schritt, in meiner Therapie.

 

Grenzüberschreitungen dürfen sein. (Erfahrungen sammeln) Wichtig ist, dass ich meine negativen Gedanken dazu verändere. Nicht: Du schon wieder … ! Sondern: Achtung, beim nächsten mal bitte an der Stelle Stop sagen. Ich darf „Fehler“ machen – besser ist: Ich darf ERFAHRUNGEN mit mir selbst sammeln, um zu erkennen und zu verändern. WER ERKENNT, KANN AUCH VERÄNDERN.

 

Aus mir selbst heraus, kommt dieser Perfektwahn, der nicht meinem ICH entspricht und mir nicht gut tut. Der es schafft, dass ich mich selbst ignoriere. Für mich ist perfekt, wenn ich etwas schaffe, so wie ich es schaffe und wenn es, in Bezug zu früher, „nicht viel“ oder nur „halbe Sachen“ sind. Ich muss nicht mehr überleben, also besteht kein Grund mich zu ignorieren. Ich werde nie wieder wie früher sein und ich will es auch nicht!

 

 Ich habe erkannt, das ich KEINE Verantwortung übernehmen muss! Jedenfalls nicht so, wie mein Kopf es mir suggeriert! Nicht für andere, nicht für Projekte, nicht für Misserfolge … Ich muss für MICH Verantwortung übernehmen. NUR FÜR MICH! Wenn ich diese ablehne, komme ich nicht weiter.

 

Ich bin seit 7 Jahren auf dem Weg. Seit 7 Jahren in therapeutischer Behandlung. Seit 7 Jahren kämpfe ich, um jeden kleinen Schritt. DA DARF ICH AUCH MAL MÜDE SEIN!

 

GERADE JETZT, in diesem Moment, dämmert mir etwas. Es geht nicht um meine wackelnden Beine. Es geht darum, diesen unendlichen unnormalen Druck, den ich selbst verursache, zu beseitigen. Es ist genau dieser selbstzerstörerische (Leistungs)Druck, der mir meine innere Anspannung/Angst bringt und meine Beine wackeln (weglaufen) lässt.

 

Ergebnis der Therapiestunde

ICH DARF PAUSE MACHEN!

ICH DARF LANGSAM GEHEN!

 

Heißt nicht aufhören. Heißt nicht, alle viere gerade sein lassen. Ich werde mich besinnen, auf Dinge die ich kann, die aber in Vergessenheit geraten sind. Ich arbeite weiter an mir und verändere!

  1. Meine Wochenziele aufschreiben – Therapeutin fragt nach – Nein, 1 Wochenziel reicht aus.

  2. Jeden Abend 3 Aufgaben, die ich gemeistert habe, aufschreiben - Meine Therapeutin fragt nach – Nein, 1 Aufgabe reicht aus.

  3. Meine Grenzen wahrnehmen und beachten. Verantwortung für mich übernehmen.

Meine Therapeutin sitzt da und lächelt mich verschmitzt an. Ich lächle mit, weil ich genau weiß, sie hat Recht und hat mich schon wieder, lach, erwischt. Ich mag, wenn sie lacht und sich freut, dass bei mir „der Groschen gefallen ist“.

 

GELÖST UND MUTIG VERLASSE ICH DIE THERAPIE!

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