29./30.12.2018 Kliniktagebuch - Wochenende - Ausspannen - Zeit für Familie - Zeit für Freundin - Gedanken Sammelsurium

Kliniktagebuch 29./30.12.2018

Samstag

Am Wochenende schaltet mein Körper erst einmal ab. Auch an diesem Samstag verschlafe ich fast den Tag. Da ich das Mittagessen verschlafen habe, weckt mich um 14.30 Uhr ein Kontrollanruf aus der Pflege. "Wir haben die Meldung aus der Küche erhalten, sie waren nicht zu essen." Ich entschuldige mich und sage wie es ist, verschlafen. Alles gut.

Mühsam kommt mein Kopf in Gang und ich gehe einen Chociatto trinken. Er bringt mir etwas Energie. Ich bin verabredet.

 

Pünktlich 16 Uhr steht Michael mit den beiden Enkelkindern in der Lobby. Wir bringen einige Sachen auf mein Zimmer, das die Beiden neugierig betrachten und gleich mal die Glückskekse plündern. Leoni hat ein Geschenk für MICH! Ich freu mich sehr, schon über die Verpackung (blau mit großem Herz) und drinnen war ein Schutzengel. Wahnsinn.

Wir fahren in die Neustadt zum Eisessen. An 2 Geschäften kommen wir nicht vorbei, ohne hineinzugehen. Die Kinder sind aufgedreht, was mir etwas Kraft kostet. Endlich im EisCafé angekommen, kehrt ein wenig Ruhe ein. Wir schwatzen miteinander über dies und das. Spaghettieis, Schokoladen-Eisbecher, Heiße Himbeeren und ein Nuß-Bananen-Eisbecher lassen unsere Genuss-Sinne schwelgen. Lecker. 

Pünktlich 18.00 Uhr bin ich dann an der Frauenkirche. Gerade läuten alle Kirchenglocken mit lautem Klang, da entdecke ich Yvonne. Oder sie mich? Egal. Die Freude ist groß und wir schlendern zum "Hofbräu" an der Frauenkirche. Es ist voll, aber wir haben Glück und bekommen noch zwei Plätze, mitten im Getümmel. Es ist schön, mit ihr hier zu sein. Natürlich freu ich mich auch schon auf die oberleckeren Käsespätzle aus der Pfanne und den Gurkensalat ala Oma. Es dauert eine ganze Weile. Wir unterhalten uns, lachen und üben uns in Erinnerungen.

Die Zeit vergeht. Und ja, die Käsespätzle sind noch immer sehr lecker. Und ja, das Münchner Madel findet sie auch lecker. Lach. Nach 2 Stunden ist meine Kraft am Ende, ich will nur noch raus. Zum Abschied bekomme ich ein echtes Münchner Andenken, lach. Damit meine Freundin immer bei mir ist. Eine bayerische Ente mit viel Holz vor der Hüttn und eine Lederhose. Lach. So schön verrückt. Danke Yvonne. Ein schöner Tag ist vorbei.

Sonntag

Nach dem Frühstück packe ich mein Päckchen von Dori aus. Hilfe. Ein wunderschönes Sammelsurium von Nüssen, Schokolade, Holz, Licht und Achtsamkeit. Richtig toll. Danach packe ich das kleine Geschenk von den Enkelkindern aus Potsdam aus und lese die wunderschöne Karte, die ein Barfuß-Erlebnis ankündigt. Na da bin ich mal gespannt. Nun hängt an meiner Schreibtischlampe eine Weihnachtsbaumkugel mit dem Bild der Enkel darin. Supi.

 

Ein Tag zum entspannen und schreiben. Es hat mir gefehlt. Schreiben beruhigt meine Seele. So sitze ich hier und schreibe meinen Wochenbericht, überarbeite meine Diskrimination und schreibe meine Blog. Ich verduldel die Zeit. Ich bin froh, dass um 14.30 Uhr endlich die Café-Theke öffnet. Ich glaube ich bin süchtig. Süchtig nach Chociatto. Genüsslich lasse ich mir Zeit. Schwatze ein wenig mit R. 

Sammelsurium der Gedanken

Auch wenn der Therapie-Alltag sehr anstrengend ist, passieren doch so viele wundervolle Dinge. Ich habe, glaube ich, gute Kontakte zu allen Mitpatienten meiner Gruppe und zu den meisten Rauchern. Wie im letzten Klinikaufenthalt begrüße ich am Morgen alle mit Namen. Ich finde es einfach schöner, Menschen beim Namen zu nennen. Egal wer gerade in der RaucherLounge sitzt, ob Mann oder Frau, es kommt immer zu kleinen Gesprächen. Wir begrüßen uns immer und verabschieden uns immer. Hallo & Bis später. Egal welches "Problem" niemand ist allein. Es gibt immer jemanden, der es genau so erlebt, fühlt oder auch schon einmal an der Stelle war. Natürlich sind Trigger und Trauma nicht Thema. Bei STOP ist STOP, ohne Nachfrage. 

 

Ob es X. ist, der mich fragt, wie es mir heute geht und seine Emotionen vermisst. Y. der mit mir den Kaffee am Morgen teilt. Oder Z. der sich selbst sucht. Oder V. der sich hier verstanden fühlt. ABC die noch nicht allein einkaufen kann. Y. die glaubt ihr läuft die Zeit davon. Z. die nicht weiß wohin ihr Weg geht. Es gibt so viele Menschen hier. Ganz jung und alt, Mann und Frau, Mädchen und Jungen, alle sind auf ihrem Weg. Es sind so viele liebenswerte und empathische Menschen hier. Hier wird das Zitat, ich weiß nicht mehr wer es prägte, "Wir therapieren die Falschen" mit Sinn erfüllt. 

 

X und Y setzen sich mir zu Füßen und fragen mich, ob sie mich stören. Nein, meine Beine stören sie nicht. Z. der sich für einen Eichel-Skill so herzlich bedankt, als wenn er ein Goldstück erhalten hätte. X. die sich riesig über einen klitze kleinen Glückszwerg freut. Oder Y. die einfach so mit mir achtsam spazieren geht. Und da ist noch X. die so herzlich und frei ist in ihrer Art, dass sie sofort mein Herz erreicht. Die so herrlich ihr Leben lebt.

Beim Geburtstag veganes Eis, aus einer Packung und vielen Löffeln gegessen wird. Ich einfach so, den ganzen Becher bekomme und essen bzw. verteilen soll. Ich angelacht werde, weil ich schaue wie die Kuh, wenns donnert. Wenn mir gesagt wird, ich wäre herzlich, emphatisch, ich fühle mich bei dir so aufgehoben und vertraut, ich hatte den gleichen Gedanken wie du, ich einfach mal umarmt werde, Pippi ein schöne Traumfigur für mich wäre und ich bunte Stulpen brauchte, dass in mir auch das Lachen und die Fröhlichkeit stecken würde, dass meine Augen so viel sagen würden ... Es so unglaublich.

Ich werde hier mit so viel positiven Erfahrungen konfrontiert. Es ist unglaublich. Ich möchte so gern vertrauen. Noch versagt mir mein Kopf dieses Gefühl. Immer wenn es da ist, fällt auch der Vorhang des Mißtrauens.

Noch kann ich nicht wirklich auf die Menschen zugehen, auch wenn ich bei ihnen und mit ihnen bin. Noch ist da etwas was mich zurückhält und mir Angst macht. Noch ist die Angst vor Verletzungen größer als der Mut anzunehmen was ist:

Loszulassen, von der Wand weg zu gehen und ohne Wand im Rücken Schritte im Leben zu gehen. Die Leichtigkeit und Freiheit des Lebens zu spüren und anzunehmen. Ich glaube daran, dass es mir irgendwann gelingen wird. 

 

Und dann ist da dieses unglaubliche Gefühl der Leichtigkeit und des Vertrauens, was ich in der Augenkontakt-Übung mit meiner Therapeutin erreicht habe. Kein Ausweichen, nur ehrlicher offener Blickkontakt. Diese Wärme, diese kleinen Schwingungen, dieses Kribbeln bis in den kleinen Zeh, die Gänsehaut und vor allem diese absolute Ruhe in mir, die Sicherheit und die Leichtigkeit des Seins. Unglaublich. Ich weiß nicht ob ich jemals so frei war in meinem Leben. Ich glaube nicht. Es ist so ein geniales Gefühl und ich möchte es mehr erleben. Es ist die Sicherheit des eigenen Seins! Es ist die Sicherheit einfach so zu sein wie ich bin. Ganz wirklich und ganz frei. Ein Traum. ICH.

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