02.01.2019 Kliniktagebuch - Themenzentrierte Gruppentherapie - Einzeltherapie - erste Schnee - Kaffeezeit - Tulpen

Kliniktagebuch 02.01.2019

Auf meinem Therapieplan stand heute nicht viel.

  • Frühstück
  • Themenzentrierte Gruppentherapie
  • Einzeltherapie
  • Mittagessen
  • Visite
  • Abendbrot

Heute begann mein Tag recht ruhig. Die Kaffeezeit vor dem Frühstück war einsam und sehr kalt. S. kam und zeigt mir Fotos vom Schnee in ihrer Heimatstadt und ich dachte so bei mir, hoffentlich bleibt er dort. Lach. Nein, blieb er nicht. In der Mittagszeit kamen erste Flockenwirbel auch in Dresden an. Zum Glück sehr begrenzt.

 

Themenzentrierte Gruppentherapie

Wie immer sehr aufgeladen an Anspannung ging ich heute in den Raum. Ich legte auf jeden Stuhl einen Glückskeks für das neue Jahr. Michael hatte sie noch besorgen können. Zu meiner Freude gab es dazu ein großes Hallo & Danke, mit lieben Grüßen an Michael.

Die Einstiegsrunde ergab heute 4 verschiedene Themen. Da aber eine Patientin ein gruseliges Silvester hatte und dazu einen Themenvorschlag, einigte sich die Gruppe einstimmig auf dieses Thema.

 

Thema: Wie löse ich mich schneller aus unangenehmen Situationen/Situationen die mir nicht gut tun. 

Meine Anspannung löste sich etwas, da es ein Thema ist worin ich, glaube ich schon recht sicher bin. Ich habe es ja schon lange geübt. So war ich sicher, nichts Falsches zu sagen, sagen zu können wie ich es gemacht habe und noch mache. Auch wenn es noch nicht immer klappt. Egal. Es ging ja nicht darum, dass es immer funktioniert, sondern darum, welche Wege ich gewählt hatte. 

 

Was war also mein Weg?

  • Begonnen habe ich damit, erst einmal zu klären ob ich selbst wirklich zu der Feier (oder anderen Treffen) wollte oder ob ich es wollte, um damit anderen nicht weh zu tun bzw. eine Freude zu machen. (Das war schon schwierig, denn ich traf mehrfach die Entscheidung eben nicht mitzufahren - eine ganz neue Erfahrung für uns).
  • Später traf ich die Entscheidung mitzufahren, aber nur wenn dafür gesorgt ist, dass ich einen ruhigen Rückzugsort habe, den ich jeder Zeit nutzen kann. (hat immer funktioniert).
  • Dann musste ich lernen, meine Grenzen nicht nur wahr zu nehmen sondern auch zu beachten und selbst einzuhalten. Hieß, ich musste mich auf mich achten, musste bemerken jetzt wird es zu viel und dann auch wirklich aus der Situation heraus gehen, in mein ruhiges "Kämmerlein".  Später konnte ich dann wieder dazu stoßen.
  • Dann musste ich lernen, dass ich achtsam bleibe, auch wenn es mir sehr gut geht. An diesen Tagen nicht alles auf einmal erledigte bzw. am nächsten Tag gleich noch eins drauf setzte (Ganz schwere Übung und ich habe es sehr spät begriffen).
  • Noch einen Schritt weiter, musste ich lernen, in einer abgesprochenen Aktion keine Überraschungen zuzulassen, sondern genau abzusprechen was wir machen wollten. Diesen Plan dann auch einzuhalten.
  • Wichtig ist bei all diesen Entscheidungen, dass ich mit Michael oder anderen darüber spreche, warum ich was tun möchte oder auch nicht. Klar zu sagen, STOP ich kann nicht mehr und einzufordern, dass dieses STOP von mir selbst und anderen geachtet wird.
  • Nur wenn ich meine Grenzen erkenne, beachte, achte, selbst einhalte und diese kommuniziere, können diese von anderen ebenfalls eingehalten werden. Wenn ich sie selbst übertrete, wie sollen dann andere wissen, wo meine Grenzen sind?
  • Auch Absprachen die eine zeitliche Begrenzung meiner Anwesenheit betrafen, haben mir sehr geholfen. Wir fuhren gemeinsam hin, blieben eine Weile und dann verließ ich allein die Runde. Michael blieb noch nach Lust und Laune. 

Es war eine gute Runde und sehr viele unterschiedliche Herangehensweisen, auch in Bezug auf die Angehörigen und Freunde wurden geäußert. Ich denke T. hat einiges für sich mitnehmen können. Ich freute mich, dass es ihr am Ende der Stunde besser ging. 

Ich freute mich über mich selbst, da ich diese Stunde ohne eine Regulation hinbekommen hatte. Ich war die ganze Zeit im Thema, mit Anspannung und wackelnden Beinen, aber mein Spannungsbogen blieb "normal". Eine ganz neue Erfahrung für mich.

Einzeltherapie

Ein Anruf aus der Pflege überraschte mich heute mit einem Termin bei meiner neuen Therapeutin (meine eigentliche Therapeutin, die bisher krank war), 15 Minuten später. Es blieb nicht viel Zeit sich Gedanken zu machen. Ich hatte noch Zeit für eine Zigarette und schon saß ich vor dem Therapeuten-Zimmer. 

 

Meine Angst war heftig und doch schwand sie irgendwie auf ein niedrigeres Niveau. Es war ein erstes Gespräch zum gegenseitigen Kennenlernen. Ich erzählte dies und das. Ein Thema blockte ich. Die Nachfrage zum Suizid meines Bruders. Ich weiß nicht warum, aber ich konnte es nicht erzählen. Es war eine Blockade da und ich nicht orten kann. Ich denke, das Thema ist doch noch nicht durch. Es wird wohl doch noch einmal Thema werden müssen.

 

Ich erzählte von der "Augenübung" und bat sie darum, sie bald mit ihr auszuprobieren. Ich erzählte von der wundervollen Dramatherapie und der Kunsttherapie, wo ich Ruhe spüren konnte. "Wollen sie sich auf den Ball setzen?" Wow, das hatte ich nun überhaupt nicht erwartet. Dann saß ich auf dem Ball und in mir ebbte die Anspannung weiter ab. Ich sagte, dass ich mich nicht mehr auf meine Beine konzentriere, weil sie in der Gruppe niemanden beeinträchtigen. Das wackeln verstärkt sich dadurch und meine Gedanken sind auf die Beine fokussiert. Ich kann mich auf kein Thema einlassen.

 

Ich weiß nicht genau, was es war. Ob nun endlich meine positiven Erfahrungen mit meinen Therapeuten fruchten, aber es ging heute einfacher. Mein Zugang zur Therapeutin war leichter. Hinter her, war ich sehr erleichtert und froh. Ich bin auf den morgigen Termin gespannt. Da wird es noch mal um verschiedene Fragen gehen und wir wollen die "Augenübung" wiederholen. Ich bin gespannt ob es funktioniert. 

Freier Nachmittag - Schnee - Kaffee - Tulpen

Meine Visite fiel aus. Ich bin erst nächste Woche dran. Auch gut. Ich nutzte meine Zeit um die letzten Kartengrüße an meiner Zimmertür anzubringen. Meine Rauchpause mit Chociatto bescherte mir einen nassen Po, weil Schnee nun mal auch nass ist. 

Michael hatte heute noch frei, so dass wir uns kurzfristig auf eine Kaffeezeit trafen. Wir fuhren zum "Blauen Wunder" und gingen in die beste Konditorei in Dresden, das Café Toscana. Die Auswahl an Kuchen und Torten war groß, doch mich lächelte die "Toscana"-Torte an. Legger. Wir fanden einen Platz im Wintergarten, mit Aussicht auf die Elbe. Ich hatte mich so darauf gefreut. Doch heute war es nicht mein Ort. Ich fühlte mich schnell überfordert. Für mich war es zu unruhig, zu laut und irgendwie zu eng. Daher verließen wir das Café schnell wieder. Wir drehten noch eine Runde am Schillerplatz, kauften ein paar Tulpen und dann brachte mich Michael zurück zur Klinik. 

Ich brachte noch ein Päckchen zur Post und erledigte noch einen kleinen Einkauf im "Konsum" unweit der Klinik. Irgendwie hatte ich heute Mühe hinein zu gehen. Auch der kurze Rückweg in die Klinik, war anstrengend. Was mit mir los war, weiß ich nicht - irgendwie war die Luft raus.

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Kommentare: 2
  • #1

    Grauvogel (Donnerstag, 03 Januar 2019 15:14)

    Liebe Heike,

    ich finde du meisterst den Klinikalltag richtig gut :)
    Gib dir selber Zeit. Es braucht einfach eine ganze Weile bis das was im Kopf angekommen ist auch im Gefühl spürbar wird.
    Die Sache mit der Diskrimination finde ich klasse um sich zu ordnen und um wieder im Jetzt anzukommen. Da musste ich allerdings irgendwann aufhören mit lesen.

    Liebe Grüße und ein gutes Jahr 2019!
    Grauvogel

  • #2

    Heike Pfennig (Donnerstag, 03 Januar 2019 17:42)

    Ja, ich bin sehr froh darüber. Ich wünsche dir auch ein gesundes und gutes Jahr 2019 Heike