03.01.2019 Kliniktagebuch-Psychoedukation - Einzeltherapie - Imagination - Ruhe, Vertrauen, Leichtigkeit und Frieden.

Kliniktagebuch 03.01.2019

Heute stand auf meinem Therapieplan:

  • Frühstück
  • Psychoedukation
  • Einzeltherapie
  • Mittagessen
  • Imagination Gruppe
  • Frauensport
  • Abendessen

Dieser Tag war so Ereignisreich, dass es für mich noch nicht richtig fassbar ist. Jetzt, durch mein Blog-Schreiben, werde ich ihn noch einmal erleben und die ganzen positiven Eindrücke, Erlebnisse, Erfahrungen und Gefühle sortieren. Sonst drehe ich, im positiven Sinne durch. Ich sitze hier und bin frohen Mutes und voller Motivation. 

 

Bis 24.01.2019 ist mein Aufenthalt schon bestätigt und danach soll er noch einmal um 6 Wochen verlängert werden. Ich hoffe sehr die Krankenkasse stimmt zu. Das ist leider nicht selbstverständlich und leider gibt es hier Patienten, die hilflos dastehen, weil die Krankenkasse nicht verlängert und dumme Spiele spielt. Es ist himmelschreiend, was mit psychisch kranken Menschen betrieben wird. Leider.

Psychoedukation

Heute begannen wir die Stunde mit den Ressourcium - Karten. Ich zog die Karte: Wenn sie einem Menschen eine Auszeichnung geben könnten, wem würden sie diese geben und warum?

Meine Antwort: Ich würde sie meiner ambulanten Therapeutin geben. Sie hat mit mir gekämpft und hat mich nicht aufgegeben. Sie hat es geschafft, in mir Vertrauen und Ruhe zu befreien. Sie hat als erste Therapeutin meine Beine zur Ruhe bekommen. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. "Das haben sie selbst geschafft", kam lächelnder Weise sofort von ihr zurück. (Sie ist hier die Therapeutin für die Psychoedukation) Ich glaube so ganz egal war ihr meine Antwort nicht. Lächel. 

 

Danach bearbeiteten wir das Thema: Abläufe im Gehirn bei einem Trauma (siehe Link - Psychoedukation) Es gibt unterschiedliche Erfahrungswerte in der Gruppe. Sie betreffen mich nicht, aber ich kann sie nicht aushalten. Ich muss raus und regulieren. Ich laufe wieder den Flur entlang und suche Tiere. Ich reguliere bis L, dann kann ich wieder in die Gruppe gehen und dort bis zum Ende der Stunde bleiben. Als das Thema Intervall-Aufenthalte bzw. Mehrfach-Aufenthalte zur Stabilisierung angesprochen wird schlagen, Emotionen auf Grund von negativen Erfahrungen, hoch und auch ich bin soweit überfordert, dass ich nicht mehr aufstehen kann. Es ist zu spät für eine Regulation.

 

Es rettete mich und die gesamte Gruppe die Schlussrunde, in der wir Tierkette spielen. Ein Patient nennt ein Tier und der nächste muss ein Tier finden, mit dem Endbuchstaben des genannten Tieres. Die Stunde endet mir Lachen der Gruppe. Irgendwie für mich befreiend.

Einzeltherapie

Mein zweites Treffen mit der neuen Therapeutin und wir hatten uns viel vorgenommen. Da sie noch immer nicht dazu gekommen ist, nach ihrer langen Krankheit, sich in alle Akten zu lesen, wurde ich meine Erfahrungen und Fragen los.

 

"Haben sie eine Frage an mich", fragte die Therapeutin. Zögernd, weil ich überlegte ob ich ihr zu nahe trete, aber ich wollte es wissen. Es war für mich so was wie eine Vertrauensfrage. Meine Frage an sie war: tragen sie manchmal eine Maske? Eine offene Antwort JA und ein richtig wohltuender Austausch dazu, lies mich schon entspannter werden.

 

Ich erzählte ihr von der Psychoedukation und davon, dass ich langsam in die Gruppe gehe. Heißt, ich habe mehr Vertrauen und meine Mauer wird durchlässig. Ich erzählte ihr von meiner derzeit verstärkten Schreckhaftigkeit, dem Engegefühl, das niemand hinter mir gehen darf und dass ich gestern im Café überfordert war. Meine Frage war, warum es so war. Ich hatte keine Erklärung dafür, da ich mich hier wirklich gut fühle. Naja, ich hätte es selbst wissen müssen. Es kann sein, ich denke es ist so: Ich habe hier so viel Positives und Neues zu verarbeiten, dass die Symptomatik der PTBS sich erst einmal verstärkt. Es ist eine bekannte Reaktion, die häufig auftritt. 

Die Situation im Café konnte ich dann allein begründen. Mein Kopf ist derzeit auf den geschützten Ort der Klinik eingestellt. Das Café ist ein öffentlicher Ort. Das überfordert meinen Kopf gerade. Ihm fehlt der geschützte Ort. Also, alles gut. Erleichterung pur.

 

Meine Anspannung bildlich dargestellt.

Meine Nervenanspannung im ganzen Körper, wie sie seit 7 Jahren alltäglich ist, wenn  ich mit fremden Menschen in Kontakt trete.

 

 

 

 

Wenn meine Nerven durch den Körper schwingen und ein wohliges kribbeln verursachen, die Ruhe einkehrt und die Leichtigkeit MEINES SEINS sich zeigt.

 

Dann haben wir unseren Plan umgesetzt. Wir haben die "Augenkontakt-Übung" gemacht. Ich sorgte dafür, dass die Umgebung für MICH stimmte. Eine Lampe wurde ausgemacht und sie setzte sich näher an mich heran. Wir saßen direkt gegenüber und schauten uns wortlos an. Peng. Ich stieg aus. Es ging nicht. Aufstehen, eine Drehung und von vorn.

 

Nun konnte ich ihr in die Augen - Gesicht schauen. Minutenlang. Langsam, ganz langsam wurde es ruhig, wurde es warm, wurde es vertraut, wurde es leicht. Da war es wieder!!!! Da war es wieder, meine Nerven schwangen durch den Körper bis in den Zeh. Auch das Bild, diese Punkte, so gelb wie das letzte Sonnenlicht im Meer war wieder da. Es war der pure Wahnsinn. An diesem Punkt stieg ich aus und wir begann die EMDR-Übung.

 

Meine offenen Hände lagen auf meinen Beinen. Ich begann nachzuspüren was in mir vorging und dabei zu erzählen was ich gesehen und gefühlt hatte. Dabei klopfte sie mir ganz leicht auf meine Finger.

Ich hatte gesehen und gespürt: 

  • Ich schaue auf die Äußerlichkeiten, wie Haare, Gesicht, Schmuck....
  • Ihre Augen lassen mich Sicherheit spüren.
  • Ihre Augen lassen mich Vertrauen spüren.
  • Ihre Augen zeigen Offenheit und Ehrlichkeit.
  • Ich fühle mich sicher und aufgehoben.
  • Ich spüre Wärme.
  • Ich kann loslassen und Ruhe spüren.
  • Meine Nerven schwingen leuchtend durch den Körper.
  • Ich kann die Leichtigkeit MEINES SEINS spüren.

 

Es ist echt unglaublich und die meisten Menschen werde es überhaupt nicht verstehen.

Was da in mir passiert.

Was da in mir abgeht.

Wie es ist Ruhe in sich zu spüren, absolute Ruhe.

Wie es ist wenn ich innerlich so leicht bin, dass ich fliegen könnte.

Wenn ich vollkommen frei von allem bin, nur einfach frei.

Wenn jeglich Anspannung, Spannung den Körper verlässt.

Die unheimliche Leichtigkeit des Seins.

Absoluter Wahnsinn. Ich glaube solche Gefühle, so frei habe ich mich noch nie in meinem Leben gefühlt. Echt unglaublich.

ABER WAHR! REALITÄT!

 


Im Tagesverlauf

Ich konnte diese Gefühl weiter halten. Abgeschwächt aber doch diese Wärme und ein Stück dieser innerlichen Ruhe, auch wenn meine Beine wieder wackelten zum Mittagessen und in der Raucherecke. Fast hätte dort ein, für mich großer Hund, alles zerstört. Er kam freudig in die Patientenrunde und alle freuten sich, nur ich nicht. Als er auf mich zukam, war es vorbei. Doch ich hatte zwei Retter. Zwei Männer  aus meiner Gruppe, stellten sich unmittelbar vor mich so, dass der Hund nicht mehr direkt zu mir konnte. Damit war die Situation gerettet. Für mich war diese Reaktion aber sehr wertvoll, weil sie mir bestätigte, dass die Menschen in meiner Gruppe, wunderbar sind. Wieder ein Steinchen Vertrauen, für das ich sehr dankbar bin.

 

Die Imagination erlebte ich heute auf meinem Sitzball. Meine Beine waren ruhig und so konnte ich mich auf die Imagination -  Innerer Frieden - konzentrieren. Es gelang nicht. Loslassen und Träumen war nicht möglich, was mich aber nicht weiter ärgerte. Ich konnte zumindest die ruhige Stimme der Therapeutin wahrnehmen, hatte keine negativen Bilder und war innerlich ruhig. Es braucht noch Übung um wirklich in die Imagination zu kommen.

 

Jetzt stand noch der Frauensport aus. Ich entschied mich, diese Therapie nicht zu machen. Es macht mir keinen Spass und hätte mir ganz sicher meine guten Gedanken und Gefühle genommen. Ich meldete mich ab. Meine Begründung wurde akzeptiert.

 

Ich wollte diese positiven Augenblicke pflegen und vielleicht noch erweitern.

Ich wollte achtsam duschen gehen. Duschen, ist für mich nicht einfach. Noch immer fällt es mir sehr schwer. Heute aber tat ich es. Ich ließ Minutenlang das warme Wasser über meinen Körper laufen. Ich spürte dem prickeln des Wassers hinterher. Dann kam die Sinnesübung, lach. Ich nahm mein Orangen-Zucker-Peeling und verteilte es auf dem Körper. So ein wundervoller Geruch von Orangen, das rubbeln der feinen Zuckerkristalle auf der Haut und dann das aufatmen der Haut, das Öl welches das Wasser in kleine Perlen verwandelte. Schön wars. Warum gönne ich mir das nicht öfter? Warum ist duschen so eine Überwindung? Keine Ahnung.

 

Ein Ereignisreicher Tag ist vorbei. Ich habe wunderschöne und einmalige Moment erlebt und ich brauchte dieses Blog-Schreiben. Es hat diesen Tag abgerundet. Ich bin sehr dankbar für diesen Tag.

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Kommentare: 2
  • #1

    Annemarie (Donnerstag, 03 Januar 2019 21:10)

    ...das klingt wirklich gut. Du bist auf einem guten Weg! �⚘�⚘

  • #2

    Yvonne (Donnerstag, 03 Januar 2019 22:24)

    Oh so schön! Ich bin glücklich, dass Du das wieder spürst!