Selbstfürsorge und Selbstverantwortung, auch im Urlaub. Alte Verhaltensmuster greifen mich an und machen mich handlungsunfähig.

Selbstfürsorge auch im Urlaub

Urlaub – liebe Menschen um mich herum – Grenzüberschreitungen – Selbstverantwortung – Selbstfürsorge – Konsequenzen – Urlaub mit Eintrübungen

Wir haben Urlaub. Vier Tage bei sehr lieben und mir sehr wertvollen Menschen. Tage die mich voll beanspruchen, meine ganze Kraft brauchten, meine Eigenverantwortung benötigten und meine Grenzen überschritten haben.

 

Ich bin in meine alten Verhaltensmuster zurück gefallen. Ich habe sinnlos, gar nicht oder falsch reagiert.

Erst hinterher, zu Hause wurde mir sehr deutlich klar, dass ich so gehandelt habe und nun wieder einmal die Konsequenzen ausbaden muss. Es geht mir nicht wirklich gut und meine Gedanken drehen sich im Kreis.

 

Eine Therapiestunde bringt Klarheit, aber nicht Stille in den Kopf. Aber eins nach dem anderen.

Meine Sucht und meine psychischen Beeinträchtigungen

Ich bin süchtig. Ja, ich rauche. Ja, ich rauche viel. Ja, ich rauche noch mehr, wenn ich in Streß gerate oder Probleme auftreten. Ich rauche zur Beruhigung, mich runter zu holen. Ich rauche auf dem Balkon, habe immer einen Aschenbecher mit und bin rücksichtsvoll wenn wir gemeinsam im Gartenlokal sitzen. Ja, ich habe schon mehrfach daran gedacht es mir abzugewöhnen und dies auch schon bei Therapeuten ausgesprochen. Meine Therapeuten sagten: „Sie können noch mehr psychischen Stress, nicht gebrauchen. Sie brauchen all ihre Energie und Kraft für die Therapie. ...“

 

Daneben schränken mich natürlich Depression und PTBS ein. Ich brauche am frühen Morgen viel Zeit, um überhaupt in den Tag zu kommen. Ich brauche Klarheit darüber, was für den Tag geplant ist, so dass ich mich darauf einstellen kann. Ich kann dann entscheiden, ob ich mitgehe bwz. ob ich die Vorhaben meistern kann, ohne mich selbst zu überfordern. Ich muss für mich herausfinden, ob die Ausflüge so geplant werden, dass ich meine Leistungsgrenze nicht überschreite und dass ich nicht mit meinen Ängsten (Höhenangst, Platzangst) konfrontiert werde, da diese dann auch unkontrollierbar sein können. Ich weiß es selbst genau, aber im Urlaub ….

 

Ich hatte einen wunderschönen Urlaub und doch wurde er überschattet von Grenzüberschreitungen.

 

Grenzüberschreitungen

  • Beständiges Hinweise, dass ich aufhören soll zu rauchen.
  • Abendgespräch, vier Leute reden auf mich ein zum Thema rauchen.
  • Ein Ausflug wird als Überraschung geplant.
  • Ausflug mit Sessellift-Fahrt auf einen Berg.
  • Dissoziation – Hast du deine Tabletten wieder hochgesetzt?
  • Ich brauche eine Aktion-Pause.
  • Ich knicke mit dem Fuß um, werde hoch geholt und zum weiterlaufen aufgefordert.

Meine direkten Reaktionen in der jeweiligen Situation

  • Ich bin genervt von den ständigen Rauchkommentaren.
  • Ich sage: „Dann fahre ich eben nach Hause“
  • Ich mache die Überraschung-Tour mit, ohne ein Wort.
  • Ich steige in den Sessellift.
  • Ich beantworte die Frage nach den Tabletten völlig sinnfrei.
  • Ich überfordere mich mit Aktion über die Tage.
  • Ich laufe, trotz Kreislaufproblemen und Schmerzen so lange, bis ich nicht mehr kann und kurz vor dem Kollaps bin.

Meine Gedanken in der Achterbahn

  • Zu Hause brauche ich Tage, um mich zu erholen. Meine Gedanken kreisen und ich bin verletzt.
  • Ich bin Raucher und das wissen alle, sie müssen es nicht mögen, aber akzeptieren.
  • Ich stelle nicht das Rauchen, über alles, wie meine Aussage: „ich fahre nach Hause“ suggesiert. Ich möchte aber auch nicht, von vier Leuten, deshalb niedergemacht werden.
  • Für mich ist jeder Tag eine Herausforderung und nicht einfach so zu bewältigen.
  • Ich kämpfe um jedes Stück Normalität, gerade im Urlaub. Es kostet mich aber sehr viel Kraft und Energie.
  • Ich kann nicht einfach mit einer Sessellift-Fahrt konfrontiert werden, in den Gedanken „ist doch nicht so schlimm, geht doch Berg auf“.
  • Die Frage nach Tabletten, im Zusammenhang einer Dissoziation ist blöd und wertet mich ab.
  • Ich habe mir keine Pause gegönnt, sondern funktioniert.
  • Ich habe ausgeführt, was andere von mir erwartet haben, ohne Rücksicht auf Verluste.
  • Ich bin als Raucher kein schlechterer Mensch, als andere.
  • Ich bin rücksichtsvoll beim rauchen und brauche daher keine dummen Kommentare, in einem Lokal.
  • Ich habe alle Energie und Kraft aufgewendet, viel gemeinsame Familienzeit zu erleben, um überall dabei zu sein, mich nicht auszuschließen.
  • Ich bin in den Sessellift gestiegen, wieder besseren Wissens, habe die Angst ausgestanden, die letzten Meter bis zum Ausstieg gezählt und habe es geschafft.
  • Ich bin zum Ostermarkt mitgefahren, obwohl es nicht mein Tag war. Die Aktion dann noch auf den Jahrmarkt zu gehen, war dumm von mir. Die heftige Reaktion (Angst/Panik) hätte ich mir ersparen können. Das einzig richtige war, dass ich umgedreht bin und die Zeit auf einer Bank am Rhein verbracht habe.

 Meine zu hohen Erwartungen

  • Ich wollte angenommen werden, wie ich bin. Hatte aber das Gefühl, wie es mir gerade geht, hat niemanden wirklich interessiert. 
  • Bei medizinischer Ausbildung war ich fest der Überzeugung, dass man sich mit dem Krankheitsbild von Depression und PTBS auseinander setzt, sich informiert, gerade dann, wenn man als Angehöriger betroffen ist.
  • Depression und PTBS sind nicht zu beseitigen, in dem man den Menschen überfährt, überfordert, konfrontiert oder belächelt und die Krankheit einfach negiert.
  • Höhenangst, gerade in einem Sessellift, kann mein Leben gefährden. Höhenangst und Panik können bis zur Unkontrollierbarkeit, Kreislaufkollaps und bis zum Herzinfarkt führen.
  • Derzeitig kann ich keinen unkontrollierten Stress, wie eine Höhenangst-Konfrontation, gebrauchen.
  • Depression und PTBS sind psychische Krankheiten, die es wirklich gibt. Man kann sie nicht ignorieren. Trigger können unkontrollierbares Handeln verursachen.
  • Dissoziationen sind keine Nebenwirkungen von Antidepressiva. Sie sind die Antwort auf eine völlige Überforderung. Ein sicheres Zeichen dafür, dass ich eine Pause brauche.
  • Antidepressiva sind notwendige Hilfsmittel, die zusammen mit einer Therapie, das Leben von psychisch kranken Menschen, positiv beeinflussen. Sie sind nicht der Auslöser von Dissoziation oder Panikattacken. Sie werden über längere Zeit eingenommen und entsprechend dem Gesundheitszustand auch eingestellt. Und ja, es kann sein, dass ich sie immer nehmen muss, vielleicht aber auch nicht. Ich werde sie so lange nehmen, wie sie notwendig sind, keinen Tag länger.

 Was nun? Meine Therapeutin wiederholt

  • Ich selbst habe es zugelassen, dass meine Grenzen überschritten wurden.
  • Ich habe die Verantwortung, dafür zu sorgen, dass sie eingehalten werden. Diese Verantwortung kann niemand übernehmen.
  • Ich muss Klarheit fordern, wenn ich Klarheit brauche und NEIN sagen, wenn ich keine Klarheit erhalten kann.
  • Ich muss mich selbst beachten und notwendige Pausen einlegen, auch wenn mir das nicht gefällt und mich an diesem Tag aus den Familienerlebnissen ausschließt.

Konsequenzen und Ergebnisse dieser Urlaubsaktionen

 

  • Ich habe nicht für mich selbst gesorgt. Ich war nicht achtsam mir gegenüber und habe mich wiedereinmal selbst ignoriert.
  • Ich hatte mehrfach das Gefühl, nicht gut genug zu sein.
  • Ich fühlte mich über das Rauchen definiert - abgewertet.
  • Ich bin in die „Opferrolle“ gefallen, hab mich hilflos gefühlt und war entsprechend „handlungsunfähig“.
  • Ich habe meine Grenzen selbst überschritten bzw. habe ich zugelassen, dass sie überschritten wurden.
  • Ich habe nicht klar meine Grenzen geäußert. Ich habe nicht zu mir selbst gestanden.
  • Ich habe zugelassen, dass nach dem Motto „Geht nicht, gibt es nicht“, mit mir umgegangen wurde.

 

  • Ich bin enttäuscht und traurig über das Verhalten, in den obigen Situationen.
  • Ich habe ein ungutes Bauchgefühl, fühle mich nicht gut genug, weil ich rauche und depressiv bin.
  • Ich fühle mich in meiner Krankheit nicht ernst genommen. 
  • Ich fühle mich bei gesundheitlichen Einschränkungen unbeachtet und ignoriert. (Alles nicht so schlimm)
  • Ich kann die Freude über die vielen gemeinsamen und wundervollen Stunden und Tage nicht fühlen. Auch die Fotos bringen mir keine Emotionen.
  • Ich kann die Freude und den Stolz über meine Leistung – Sessellift – nicht fühlen, nicht wahrnehmen. Ja, ich habe es überstanden – mehr nicht. Aber es hätte furchtbar schief gehen können. Die Gefahr war groß.
  • Die Wanderung war toll, ist aber durch diese Konfrontation getrübt. Leider.
  • Ich habe einen „STOLZ-STEIN“ mitgenommen, doch ich kann ihn nicht in das Erinnerungsglas legen. Woran soll er mich erinnern? An die Grenzüberschreitung oder das ich Glück hatte und die Fahrt überstanden habe?
  • Ich werde vor dem Urlaub mit Gedankenstrudeln und Angst zu kämpfen haben.

  

Notwendige Veränderung meinerseits

  • Ich werde Selbstfürsorge und Selbstverantwortung übernehmen. Das heißt meine Grenzen beachten und selbst einhalten.
  • Es wird für mich keine Überraschungstouren geben.

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