Grenzen!? Achten sie auf ihre Grenzen! Was? Wo? Wie? Warum? Ich weiß es gerade nicht.

Grenzen - Was tut mir gut?

"Wollen Sie krank bleiben? Warum beachten Sie ihre Grenzen nicht? Sie sorgen nicht gut für sich selbst. Sie haben selbst die Verantwortung dafür wie es ihnen geht. Sie könnten viel mehr gute Tage haben, wenn sie besser für sich sorgen würden. Wollen Sie sich nicht verändern?" Sätze meiner Therapeutin, die sich immer wieder, wiederholen. Sie machen mich kirre und lassen mich zweifeln. Zweifeln an mir selbst. Natürlich will ich mich verändern und ich habe mich schon verändert! Ich will Gesund werden, für mich und meine kleine Welt. Das ist mein Ziel, sonst hätte ich schon lange aufgegeben. 

7 Jahre Weg - vorwärts - rückwärts - vorwärts - vorwärts ... Manche mal weiß ich nicht wo es lang geht und ein anderes mal werfen mich Lebensereignisse zurück. Doch immer wieder habe ich es geschafft weiter zu gehen, weil ich gesund werden und endlich wieder leben möchte.

Grenzen und Glaubenssätze

Grenzen? Das Wort und seine Bedeutung lernte ich erst wirklich in meinen Therapiestunden kennen. Ich begriff sehr bald, dass schon in frühester Kindheit meine Grenzen nicht wahrgenommen wurden und sie beständig überschritten wurden. Was folgte war ein Lebensweg, der immer im Außen war, immer darauf bedacht war es allen recht zu machen. Ich kannte meine eigenen Grenzen nicht. Ich hatte nie gelernt auf mich selbst und meine Grenzen zu achten. Ich hatte nur gelernt mich selbst zu ignorieren. Ich habe Glaubenssätze entwickelt, die mir überleben halfen, mich gleichzeitig an den Rand des Wahnsinns brachten. Sie waren meine Grenzen: Du bist nicht gut genug. Du musst es perfekt machen. Geht nicht gibt es nicht. Es geht alles, du musst nur wollen. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Stell dich nicht so an, heul hier nicht rum. ...

Glaubenssätze die ein Selbstwertgefühl und Selbstverantwortung nicht beinhalten. Sie erreichten nur eins, dass ich zusammenbrach.

Entscheidungen treffen, die mir gut tun

In meinen ersten Therapiestunden wurde ich immer wieder gefragt: "Was wollen Sie? Was tut ihnen gut? Für wen möchten Sie es tun? Tun Sie es für sich oder für einen anderen?" Fragen, die mich an den Rand der Verzweiflung brachten, weil ich immer wieder erkannt habe, wie sehr ich auf andere Personen ausrichtet war. Immer wieder sagten die Therapeuten: "Bevor sie ja sagen, hören Sie bitte in sich selbst hinein, hören sie ihrem Herz zu und erst dann, wenn ihnen ganz sicher klar ist, was sie selbst möchten, antworten sie mit ja oder NEIN. Das werden Entscheidungen sein, die Ihnen gut tun".

Langsam, sehr langsam und mit viel Geduld lernte ich, mir selbst zuzuhören, auf mich selbst zu achten. Es ist ein langer Weg und ja, ich gehe ihn heute noch. Auch nach 7 Jahren Therapie, kann ich mich noch immer sehr gut selbst ignorieren, Entscheidungen treffen die anderen gut tun und habe es schwer mich abzugrenzen. Natürlich brauche ich Geduld. 50 Jahre mit beständigen Grenzüberschreitungen sind nicht einfach mal so vergessen. Der Kopf hat seine Glaubenssätze gut gespeichert und das daraus resultierende Verhalten ebenfalls. Doch ich habe schon viel gelernt und darauf bin ich stolz.

Grenzen - Was ist richtig oder falsch

"Warum haben Sie ihre Grenzen missachtet? Sie könnten viel mehr schöne Tage genießen, wenn Sie auf ihre Grenzen achten würden. Es liegt in ihrer Verantwortung". Sätze, die mir in diesem Jahr, immer wieder bewusst machen, dass es noch ein weiter Weg für mich ist. Sätze, die andererseits meinen Widerstand hervor rufen. Bin ich schon wieder zu ungeduldig? Will ich zuviel? Was will und warum überschreite ich meine Grenzen? Ich weiß gerade nicht an welcher Stelle ich stehe, was richtig oder falsch ist.

 

Endlich, nach langer Zeit habe ich sehr gute, gute und andere Tage. Ich nehme sie wie sie kommen und bin dankbar für jede Stunde, die es mir wirklich gut geht, in der ich das Leben wieder spüren kann. In diesen Stunden vergesse ich meine Grenzen, beachte erste Anzeichen nicht und ja ich ignoriere mich auch. Mir ist dies in der Situation nicht bewusst. Diese Erkenntnisse kommen hinterher, wenn es vorbei ist, geschafft ist und es mir schlecht geht. Aber geht es mir wirklich nur schlecht, weil ich Grenzen überschritten habe oder geht es mir einfach nur schlecht, weil die Depression eine beständige Achterbahnfahrt ist? 

 

Bisher wurde mir immer gesagt: "Es gibt gute und andere Tage. An den guten Tagen haben sie einiges geschafft, seien sie stolz darauf. Das es jetzt schlechter geht ist nicht schlimm. Nehmen Sie es an, es wird auch wieder besser." Ich habe so manche Dinge gemeistert, weil ich Entscheidungen für mich getroffen habe und dann auch danach gehandelt habe. Danach kamen immer die schlechten Stunden/Tage und ich habe sie akzeptiert.

 

Jetzt aber, habe ich immer den Eindruck, ich schieße beständig über das Ziel hinaus. Aber wo soll ich die Grenze ziehen? Soll ich in schönen Momenten, schon wieder in mich hinein hören und darauf achten, wann mein Körper seine Achtungszeichen setzt? Das kann ich nicht. Ich möchte mich nicht beständig selbst reflektieren, beständig in mich hinein hören, auf mich achten. Wenn es mir gut geht, dann möchte ich leben, einfach so.

 

Danach kommen dann Tage, die ich kaum wahrnehme. Alles in mir reagiert sich ab. Ich bin zu nichts in der Lage. Aus diesem Grund habe ich, in diesem Jahr, auch Therapiestunden abgesagt. "Bitte sorgen sie nicht nur für sich, für den Weg zur Therapie, sondern auch in den Tagen dazwischen," weisen mir die Richtung. Meine Therapeutin hat Recht. Ich habe die Verantwortung für mich und mein Handeln. Ich kann nicht das eine tun und das andere dafür absagen. Da stimmen die Prioritäten nicht. 

 

Rebellion im Kopf

Doch mein Kopf rebelliert. Ich hatte so wunderschöne Momente und Erlebnisse.  An welcher Stelle hätte ich NEIN sagen sollen? Meiner Freundin absagen? Meinem Sohn absagen? Weniger aktiv sein? Wenn ich mich gerade wohl fühle, aufhören und mit dem zufrieden sein, was ich gerade erlebt habe?

 

Hätte ich die Planung der Tage mit meiner Freundin anders geplant, weniger aktiv, dann wäre vielleicht nicht der Einbruch gekommen? Hätte ich bei der Entscheidung, meinen ersten Berg zu besteigen nein gesagt, würde ich heute noch keinen Berg bestiegen haben. Doch ich habe weitere und höhere Berge bestiegen. ... 

 

Habe ich nicht auch meine Grenzen beständig überschritten, als ich wieder einkaufen lernte, lernte in einem Café zu sitzen, Kantinen-Essen auszuhalten, Straßenbahn zu fahren oder die Gruppe in der Ergotherapie anzunehmen? Was ist richtig was nicht?

Erkenntnisse

Ich weiß gerade nicht wo ich stehe. 

Ich möchte einfach auch mal leben und nicht auf mich achten und in mich reinhören. Wenn ich es nicht probiere, dann weiß ich nicht, ob ich es hätte vielleicht doch geschafft. Ich habe so viele wunderbare Momente erlebt und bin so stolz darauf es geschafft zu haben. Ich kann nicht alles, an allen Tagen. Doch ich kann es. Da sind mir die anderen Tage, die danach kommen egal. Was zählt ist das Jetzt. Wie soll denn mein Kopf lernen, dass es auch anders geht, wenn ich es ihm nicht zeige? Ich möchte nicht einen Moment von den positiven Tagen/Stunden missen.

 

Bei anderen Dingen bin ich nicht stark genug und doch will ich es unbedingt sein. Da ist mein Sohn und ich möchte ihn auch in Dresden haben, obwohl ich weiß, dass sein Besuch mich triggert und überfordert. Es ist mein Sohn, ich liebe ihn und ein paar Tage, mit ihm, müssen einfach sein. Ja, ich muss überlegen, wie ich diese Tage so gestalten kann, dass es für mich leichter wird und mehr als 2 Tage sind nicht möglich, leider.

 

Lebensereignisse oder Probleme zeigen mir hart meine Grenzen und unübersehbar. Sie werfen mich einfach aus der Bahn. Ich hoffe sehr, dass ich für dieses Jahr genug davon hatte. Das Gespräch mit meinem kleinen Bruder war sehr hilfreich und befreiend und doch hat es mich mitgenommen und tagelang meinen Kopf gefüllt. Egal, es war mir wichtig und ich bin sehr dankbar, dass mein kleiner Bruder hier war.

 

Ich weiß es nicht. Die letzten Monate waren sehr voll. Urlaub, Urlaub, Freundin, hier und da ... Vielleicht bin ich für das wirkliche Leben nicht mehr gemacht. Grr. Aber im Schneckenhaus will ich auch nicht mehr sitzen. Was ist zu viel? Was ist zu wenig? Wo ist meine Grenze? Muss ich immer auf mich achten? Wann darf ich sie überschreiten? 

 

Ich weiß die Antworten nicht.

 

Ich weiß! Ich möchte mehr von den Momenten, in denen ich mit hoch erhobenen Armen, die Freude am Leben spüre.

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