Mein Boot im sicheren Hafen. Meine Verantwortung gegenüber mir selbst und der Gruppe

Mein Boot im sicheren Hafen

Ich habe eine SelbsthilfeGruppe „Ein Boot auf dem Meer“ gegründet. Diese Gruppe soll mir selbst und anderen helfen.

 

Sie ist für mich auch der Platz zum Lernen. Lernen, mich selbst zu schützen, meine Grenzen einzuhalten, auf mich selbst aufzupassen, Erfahrungen zu sammeln, mich wieder auseinander zu setzen – mit mir selbst und anderen – und Kontakte zu pflegen.

 

Ich bin selbst betroffen, da kann die Gruppe schon mal zur Gefahr für mich selbst werden. Genau da, liegt mein wichtigster Lernauftrag.

Hilflos & Machtlos

Ein „Hilfe-Info-Post“ zum Thema - Lohnfortzahlung bei Aussteuerung -  hat mir meine Grenzen sehr hart aufgezeigt. Ich habe zugelassen, mich selbst zu ignorieren und meine Grenzen zu überschreiten. Heute ist mir klar, warum. Ich bin traumatisiert und krank. Ich kann noch nicht gut genug für mich selbst sorgen.  

 

Ein Mitglied erinnerte mich an eine Person, die ich sehr gut kenne. Das erkannte ich zu spät. Alle Warnsignale hatte ich übersehen. Ich bin heftig getriggert. Ich habe 15 Jahre Ehe mit einem Mann verbracht, der riesige Ansprüche an Selbstbestätigung, Fürsorge, Aufmerksamkeit, Huldigung, Liebesbekundungen, Zuwendung und Hilfeleistung brauchte und fordert. Doch diese Ansprüche waren niemals erfüllt. Es war nie genug. Alles was ich sagte, was ich tat oder nicht tat, war falsch. Ich konnte es nicht richtig machen. Ich war immer Schuld. Schuld daran, dass es ihm schlecht ging. Ich war gefangen. Es war niemand da, der mir half, mir zuhörte und meine Bedürfnisse war nahm.

 

Ich fühlte mich hilflos, ohnmächtig, ignoriert und schuldig.

Ich hatte keine Wahl. Die Situation in der Gruppe, war so nicht auszuhalten. Ich musste Handeln.

 

Ein "wunderbares" Spiel

Dieses Mitglied hat ein „wundervolles“ Spiel gespielt. Ich glaube, dessen sind sich diese Betroffenen, selbst gar nicht bewusst (hoffe ich). Es bedient sicherlich Merkmale einer psychischen Erkrankung. Darüber hinaus haben wir Betroffenen ja alle ein starkes Bedürfnis, nach lieben Worten und Bestätigung, weil sie uns eigenen Umfeld oft fehlt.

Das ist normal und darf sein.

 

Es darf aber nicht so weit gehen, dass die Aufmerksamkeit der Gruppe, vorrangig nur noch einer einzelnen Person gilt. Kleine Konflikte werden zu übergroßen Themen und sachbezogene Inhalte werden persönlich genommen. Die Gruppe kann auf Dauer, den überhöhten und fordernden Ansprüchen des Betroffenen nicht gerecht werden. Aber genau an diesem Punkt beginnt das Spiel.

 

Der Betroffene kommentiert beständig über aus liebevoll. So bekommt er selbst sein übergroßes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Zuwendung erfüllt. Dazu werden immer wieder Beiträge gepostet, die andere dazu bewegen den Betroffenen zu bestärken, sich ihm zuzuwenden und zu motivieren. Auch über persönliche PN holt er sich Zuspruch, Bestärkung und Bestätigung. Konflikte entstehen, wenn ein anderes Mitglied seinen Ansprüchen nicht genügt oder ähnlich ihm selbst, beständig Beiträge einstellt. Es beginnt ein erster Verdrängungskampf, den der Betroffene auch „gewinnt“.  

 

Nun hatte er, was er brauchte, die ungeteilte Aufmerksamkeit. Der Betroffene wird mutiger. Kommentiert noch häufiger seine lieben Worte. Leider blieb nicht aus, dass ich den Betroffenen bitten musste, sein Verhalten gegenüber einem anderen Mitglied, zu korrigieren.

 

Damit wurde ich sein „Gegner“. Für den Betroffenen gibt es nur Menschen, die ihn lieb haben oder angreifen. Jetzt waren alle meine Worte ihm gegenüber falsch, keine Motivation oder Zuwendung war richtig. Ich konnte ihm gegenüber nichts mehr richtig machen. Ich saß in der Falle und es war mir überhaupt nicht klar. Mein sachbezogener Kommentar, ohne Schnörkel, auf seinen Informationsbeitrag zur Lohnfortzahlung, mit der Bitte diesen mit gesicherten Informationen zu belegen, war der Höhepunkt in diesem Spiel.

 

Jetzt hatte ich den Betroffenen öffentlich, einen Volltreffer verpasst und war mir dessen überhaupt nicht bewusst. Aus seiner Sicht, hatte ich ihn nun öffentlich angegriffen. In seinem Denken wurde er auch sofort, von vielen Mitgliedern bestärkt. Er handelte, wie mehrfach vorher und für die meisten Mitglieder undurchschaubar. Er setzte ein Posting „ich bin so traurig...“ und wie die Bienen zum Honig flog ihm die ungeteilte Zuwendung zu. Erst als er diese hatte, vervollständigte er den Satz. Er erreichte sein Ziel, viele Mitglieder drückten ihr Entsetzen, Unverständnis und Mitleid aus. Jetzt würde er mich besiegen.  

Was passierte? Ich kam unvorbereitet, getriggert, in eine Situation aus der Vergangenheit. Die meisten der Mitglieder kommentierten ihr Unverständnis meinen Kommentaren gegenüber, kommentierten Mitgefühl und Motivation den Betroffenen. Nur wenige bemerkten, dass es in meinem Kommentar, um einen Sachverhalt ging. Die meisten waren damit beschäftigt, den armen Betroffenen zu bestärken. Ich hatte etwas falsch gemacht.

Ich war schuldig! Ich fühlte mich hilflos, ohnmächtig, ignoriert und schuldig.

 

Das Thema war ein Sachverhalt, nicht die Person

Wem nutzt ein „Hilfe-Info-Posting“ mit ungesicherten Äußerungen, die in Kommentaren noch verstärkt werden? „Er wollte doch nur helfen“, ja und weiter? Habe ich diesen Tatbestand, in Zweifel gezogen? Nein. Ich habe sachlich darauf geantwortet, meine eigenen Erfahrungen geschrieben. Wie sieht denn die Hilfe aus? Ein Hilfe, die für Mitglieder in einer Betrugsanzeige vom Amt oder in einer Schadenersatzklage an die Admins, enden kann? Ist das Hilfe? Ganz sicher nicht.

 

Die Stimmung in der Gruppe kochte hoch. Es drehte sich nicht um eine Diskussion zum Thema. Die Diskussion drehte sich nur um eine Person, die sich persönlich angegriffen fühlte, durch meinen sachlichen Kommentar, dass die Aussagen, im "Infopost", so nicht verwendbar wären, weil sie keinerlei nachweisbare Hintergründe hatten.

 

Selbst noch als ich meinen Blog zum Thema veröffentlichte. Ich bekam den Eindruck, dass die meisten der Mitglieder meinen Beitrag einfach ignorierten, in dem ich noch einmal klar stellte, warum ich den Sachverhalt, zur Lohnfortzahlung, in Frage stellte.

 

Es drehte sich nur um einen (nicht erfolgten) persönlichen Angriff meinerseits auf den Betroffenen. Das macht mich unendlich traurig. Viele haben das eigentliche Thema völlig aus den Augen verloren. Das Thema war NICHT die Person, sondern ein ungesicherter Sachverhalt.

 

Völlig nebensächlich, dass der Betroffene eine persönliche PN und den persönlichen Versuch der Klärung und die Admin-Entbindung, verzerrt in die Öffentlichkeit zog, dass er mir und den Admins die Freundschaft gekündigt hatte und uns sorgar blockierte. Ich stand da und war schuldig. Jetzt waren alle Admins schuldig. Wie konnten wir nur so herzlos mit einem psychische Kranken umgehen?

 

So nicht!

Das musste ich mir nicht geben! Hier war Schluss, für mich und meine Admins bestärkten mich. Ich bin dankbar, für all die kleinen Zeichen, die mir auch andere gaben. Ich war nicht ganz allein. Ich hatte Menschen, die mich verstanden. Doch ICH musste jetzt handeln, für mich selbst sorgen.

 

JA & NEIN - ENTSCHEIDUNGEN

JA:

  • Ich achte auf meinen Selbstschutz und auf den Schutz der Gruppe. Ich habe die Verantwortung.
  • Zuwendung, Austausch und liebevoller Umgang sind für mich selbstverständlich, mein Anspruch.
  • Jeder kann, darf und soll, seine Themen posten, ohne Zweifel und Angst.
  • Es können, dürfen und sollen, Erfahrungen zu allen Themen geteilt werden. Es ist ganz einfach: "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass...!" "Bei mir lief es so ab ...!" "In meinem Brief steht ...!
  • Es kann, darf und soll weiterhin, gesicherte Themen-Postings geben.
  • Sollte es ein Problem geben, erfolgt grundsätzlich eine persönliche PN, zur Klärung.
  • Ich stehe mit ganzem Herzen, hinter den Gruppenregeln.
  • Ich werde weiterhin, Probleme mit einzelnen Betroffenen, über persönliche Admin-PN klären.

 JA! Ich werde, ohne öffentliche Information der Gruppe, Betroffene aus der Gruppe weisen, die eine Gefahr für die Gruppe sind.

 

 

NEIN:

  • Ich bin nicht hilflos, ohnmächtig und schuldig!
  • Ich bin nicht schuldig.
  • Ich lasse nicht zu, dass meine Grenzen übertreten werden!
  • Ich gebe MEINE Verantwortung nicht an andere ab!
  • Ich lasse mich nicht in Verhaltensweisen drücken, die ich niemals wiederholen wollte.
  • Ich kann nichts dafür, wenn ein Mitglied einen sachbezogenen Kommentar auf sich selbst bezieht.
  • Überzogene Bedürftigkeit an Zuspruch, Motivation und liebevolle Worte von einer Einzelperson, kann weder ich noch eine Gruppe leisten.
  • Die Gruppe kann sich nicht, um die Erfüllung anspruchsvoller Bedürfnisse eines Einzelnen drehen, da andere Beiträge zu wenig Beachtung erhalten und sich Mitglieder zurück ziehen.
  • Ungesicherte „Helfer-Info-Post“ werde ich nicht zulassen.
  • Nicht jedes Thema - nicht jedes Problem, mit einzelnen Betroffenen, gehört öffentlich in die Gruppe.

NEIN! Nicht jeder Betroffene passt in diese bzw. in eine Gruppe 

 

Ich bin der Kapitän. Ich bin eine Betroffene. Ich habe die Verantwortung. DANKESCHÖN!

 

Ich danke von ganzem Herzen meinen Admins für das offene, ehrliche, kritische und herzliche Miteinander. Schön, dass es euch gibt.

Ich danke allen Mitgliedern, die mich durch Worte oder kleine Zeichen, ihr Verständnis gesendet haben. Schön, dass es euch gibt.

Ich danke allen Mitgliedern, die mit uns gemeinsam den Sturm, gemeistert haben. Nach jedem Sturm, ist die Luft gereinigt und es kommt wieder stilles Gewässer. Schön, dass es euch alle gibt.

 

Eure Heike

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