Gedichte aus der Traumaklinik

Ein Licht für dich

(geschrieben am 16.11.2016)

 

Ich habe heute ein Licht angezündet.

Dort unter den Engeln.

Dort wo ich mit dir reden kann.

Ich denke an dich, so oft.

Du bist in meinem Herzen.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

Ich sehe dich in meinen Träumen,

wie du zu den Engeln gehst.

Du siehst so friedlich aus.

Aber du schläfst nicht, nein.

Du gehst deinen Weg zu den Sternen.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

 

Mein Herz schreit.

Meine Seele schreit.

Dein letzer Atemzug, ich hör ihn, immer wieder.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die ich um dich weinen könnte.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die mir selbst verzeihen könnten.

Es sind keine Tränen mehr in mir,

die den Schmerz lindern würden.

Es bleibt nur die Sehnsucht nach dir.

Es bleibt nur diese Leere in mir.

Es bleibt nur die Frage: WARUM.

Es bleibt die Liebe zu dir.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich.

 

Ich schaue in dein Gesicht - auf Fotos.

Ich sehe dein Lächeln - auf Fotos.

Ich sehe dich glücklich - auf Fotos.

Ich sehe dich sterben - in meinen Träumen.

Immer und immer wieder.

Ich fühle die grenzenlose Angst in mir.

Ich fühle diese Hilflosigkeit.

Ich fühle diese Machtlosigkeit.

Ich fühle die grenzenlose Leere die auf mich fällt.

Du bist gegangen.

Du bist mein Sternenkind.

Du bist mein Schutzengel.

Ich bin dankbar für die 2 Jahre mit dir.

Ich liebe dich mein Kind.

Ich habe heute ein Licht angezündet, für dich Daniele.

 

 

Und doch ….

(geschrieben am 18.11.2016)

 

Ich bin hier weil ich es so will und doch möchte ich nicht hier sein.

Ich habe Sehnsucht nach meinem Schneckenhaus.

Ich stehe früh am Morgen auf, will aber noch schlafen.

Ich sitze auf dem Hof mit Kaffee und Zigarette, nie allein.

Ich unterhalte mich mit dir, doch will ich lieber still sein.

Ich höre dir zu und doch schwirren meine Gedanken.

Ich lächle dich an und doch ist es eine Maske.

 

Ich sitze in der Gruppe und doch will ich nicht hier sein.

Ich halte es aus und fühle mich sehr angestrengt.

Meine Aufmerksamtkeit fährt Achterbahn.

Meine Anspannung steigt und die Handbälle kreisen.

Worte wandern durch den Raum. Worte und Empfindungen.

Ich bin im Raum und doch nicht da.

Ich höre die Worte, doch sie kommen nicht wirklich an.

Ich passe angestrengt auf, den Faden nicht zu verlieren.

Ich sitze da und bin leer, so gähnend leer. Es ist so schwer.

Ich funktioniere den ganz Tag, mehr oder weniger.

Ich verbiege mich um nicht aufzufallen.

Ich möchte nicht im Abseits stehen und doch sehne ich mich nach Ruhe und Allein sein.

Ich halte durch, es kostet mich alle Kraft.

 

Ich bin so anders, als die Menschen um mich herum.

Ich knüpfe Kontakte oder mit mir werden Kontakte gesucht.

Ich bin mit Menschen zusammen und doch auch wieder nicht.

Ich sehe die Menschen und möchte weg und doch gehe ich auf sie zu.

Ich kann mich mit ihnen gut unterhalten und doch strengt es mich an.

Manche von ihnen kann ich gut aushalten, andere nur sehr schwer.

Ich sehe ihr Lächeln und höre ihre lieben Worte und doch fehlt das gute Gefühl dazu.

Und doch denke ich, wenn die Zeit hier vorbei ist, gehen wir auseinander.

Ich bin froh, dass ich sie kennen lernen durfte, aber in meinem Leben ist kein Platz für sie.

Menschen sie gehen und kommen und ich habe Angst sie nah an mich heran zu lassen.

 

Ich kämpfe mit mir selbst jeden Tag.

In mir jagt die Angst durch das Blut.

In mir nagen die Zweifel an meiner Wahrnehmung.

In mir verfolgt mich der Wiederstand gegen die Menschen.

In mir toben die Selbstzweifel, bin ich gut genug.

In mir rumoren die Stimmen die mir sagen, ich werde versagen.

In mir drängt mein Gehirn, komm lauf weg, ganz weit.

Ich möchte nicht mehr kämpfen und muss es doch tun, für mich.

Ich möchte bei mir selbst sein und bin es doch nicht.

Ich möchte mich selbst lenken und doch tun es andere.

Ich bin hier, um wieder ein Stück zurück in mein Leben zu finden.

Ich bin hier, um zurück zu schauen, um nach vorn gehen zu können.

Ich bin hier, um wieder ein kleines Stück Glück empfinden zu können.

 

Und doch bleibe ich, weil ich es will.

 

 

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen … 

(geschrieben am 27.11.2016)

 

Es ist Wochenende, wieder einmal.

Ich bin froh, dass der Trubel der Woche vorbei ist.

Auf mir lasten die Anforderungen der Woche.

Sie drücken mich nieder.

Sie nehmen mir den Antrieb.

Sie geben mir die Leere.

Sie sind eine Last die ich kaum tragen kann.

Jeder Schritt ist schwer.

Schlafen bis zum Mittag und immer noch müde.

Mein Kopf streikt und möchte seine Ruhe.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

 

Ich wünsche guten Morgen und einen schönen 1.Advent.

Ich sitze am Tisch und zünde das Lichtlein an.

Ich schaue im Facebook – ja es ist 1. Advent.

Überall weihnachtliche Bilder und Grüße.

In meinem Zimmer weihnachtet es sehr.

Im Hof leuchten die Weihnachtssterne.

Viele sind auf den Weihnachtsmärkten unterwegs.

Doch in mir dröhnt das Nichts und das Müde.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

 

Ich mache mich fein, für den Nachmittag.

Ich dusche, doch es stellt sich kein Wohlgefühl ein.

Das Wasser läuft den Körper entlang, einfach so.

Der Spiegel zeigt ein müdes Gesicht.

Ich sehne mich nach, ich weiß nicht was.

Ich trinke die 3. Tasse Kaffe und werde nicht wach.

Ich bin so müde vom Leben. So müde.

In mir tobt die Leere mit dem „Ist mir egal“.

Das „Ist mir egal“ ringt mit dem „Lass mich in ruh“.

Das „Lass mich in ruh“ kämpft mit dem „Ich tue es doch“.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen.

 

Vielleicht, wenn ich erst da bin, geht es mir besser.

Vielleicht, wenn ich die Lichter sehe,

wenn ich das Glitzern sehe,

wenn ich die Düfte rieche,

wenn ich Pfefferkuchen, Mandeln und anderes sehe,

wenn ich über den Weihnachtsmarkt gehe,

wenn ich es erlebe ….

Vielleicht, ist dann auch für mich 1. Advent.

 

 

In der Hoffnung

(geschrieben am 27.11.2016)

 

Ich bin nicht mehr in meinem Schneckenhaus.

Ich bin in der Klinik.

Ich bin im „prallen“ Leben.

Ich selbst habe diesen Weg gewählt.

Ich treffe auf Menschen, um mich herum.

Doch möchte ich allein sein.

Ich möchte dieses Gewusel nicht.

 

Ich trage eine Maske, die mich selbst versteckt.

Ich möchte nicht auffallen, möchte dabei sein und auch wieder nicht.

Ich grüße jeden, am Morgen, mit einem Lächeln.

Es fällt mir schwer und doch tue ich es.

Sie brauchen ein Lächeln am Morgen, so wie auch ich.

Ich sitze bei Ihnen und doch will ich weg.

Ich nehme sie in den Arm und doch will ich Abstand.

Bei manchen von ihnen bin ich gern und doch auch wieder nicht.

 

Ich nehme die Menschen an und auch wieder nicht.

Ich unterhalte mich, doch wäre ich lieber still.

Ich sehe sie an, doch sehe ich sie nicht.

Ich höre sie reden, doch ich will es nicht wissen.

Ich habe für sie ein gutes Wort, doch nicht für mich.

Ich bin mitten drin und doch nicht da.

Es fällt mir so unglaublich schwer.

 

Es strengt mich maßlos an, all diese Menschen auszuhalten.

Und doch stehe ich nicht Abseits.

Dieses Leben ist nichts für mich.

Es ist zu laut, zu fröhlich, zu traurig.

Es ist zu viel Druck, zu viel Anstrengung, zu viel aushalten.

Und doch gehe ich weiter.

 

In der Hoffnung, dass ich wieder lerne wie schön das Leben ist.

In der Hoffnung, dass ich wieder verstehe, dass Menschen zum Leben gehören.

In der Hoffnung, dass ich wieder fühle, dass Menschen auch Wärme geben.

In der Hoffnung, dass ich wieder spüre, was gemeinsame Freude ist.

In der Hoffnung, dass ich wieder erleben kann, wie schön gemeinsame Zeit ist.

Ich, in der Hoffnung.

 

 

 

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Tranquilla Trampeltreu, eine Schildkröte.

Tranquilla Trampeltreu, eine Schildkröte.

Eine Schildkröte als Held? Wie kann das sein?

 Die Schildkröte Tranquilla Trampeltreu erfährt von der Taube Sulaika Silberkropf und dem Täuberich Salomon Silberkropf, dass der Große Sultan aller Tiere, Leo der Achtundzwanzigste, Hochzeit feiern und ein riesiges Fest geben will. Es soll das schönste Fest werden, das es je gegeben hat.

 

Nach langem und gründlichem Nachdenken beschließt Tranquilla Trampeltreu, sich ebenfalls auf den Weg zu diesem Fest zu begeben, auch wenn der Weg bis dahin sehr weit sein soll. Langsam zwar, aber Schritt für Schritt, setzt sie sich in Bewegung.

 

Unterwegs begegnet sie vielen Tieren. Zuerst trifft sie auf die Spinne Fatima Fadenkreuz, die sich über Tranquilla Trampeltreu lustig macht und ihr abrät, den Weg fortzusetzen, weil sie ja doch nicht rechtzeitig ankommen würde.

 

Als nächstes kriecht ihr die Schnecke Scheherasade Schleimig über den Weg. Die bringt das unglaubliche Vorhaben der Schildkröte ganz durcheinander. Nicht nur, dass Tranquilla Trampeltreu in die falsche Richtung gelaufen ist, nein, sie findet das ganze Unterfangen ganz „schnecklich“ und komplett aussichtslos.  

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Ich bin anders. Traumaklinik und meine Angst

Ich bin anders

Ich bin hier und doch nicht hier.

Ich fühle mich leer und antriebslos, bin schlapp und müde.

Ich quäle mich am Morgen.

Ich sehne mich nach meiner Morgentasse Kaffee, in aller Ruhe.

Ich sehen mich nach Stille und langsamen Tageseinstieg.

Und doch stehe ich auf, wenn der Wecker klingelt.

Und doch gehe ich ins Bad, mich tagfertig machen.

Ich schau mich nicht im Spiegel an, warum auch.

Ich bin so leer, ich bin so lustlos, ich bin so schlapp, ich bin so....

Ich bin anders.

 

Mein Kopf und mein Körper streiken noch und doch muss ich los.

Jeder Gedanke, jeder Schritt ist zu viel.

Ich sitze auf dem Hof mit meinem Kaffee, nicht allein, aber ganz weit weg.

Ich sitze da und versuche mich zu finden.

Frühstück, eine Qual am Morgen.

Ein Raum mit vielen Menschen, Frühstück holen …

Guten Morgen, guten Morgen, guten Appetit, ich wünsche einen schönen Tag....

Oh ja und am liebsten würde ich mich verkriechen.

Ich setze mein Lächeln auf und bring es hinter mich.

Ich möchte nicht unhöflich sein und nicht auffallen.

Ich bin nicht ich, ich funktioniere.

Ich sehne mich nach Ruhe, nach Einsamkeit am Morgen.

Ich bin anders.

 

Ich sehe die Menschen.

Sie sitzen beisammen, grüßen freundlich, lächeln,lachen fröhlich.

Sie unterhalten sich frisch und frei. So scheint es mir.

Sie haben Gefühle, sie freuen sich, sie lachen und sie weinen.

Sie nehmen mich auf, begrüßen mich, erzählen mir, fragen mich.

Sie gehen mit einander spazieren, fahren in die Altstadt....

Ich funktioniere, ich lächle und unterhalte mich.

Es strengt mich an, weil ich es nicht möchte und doch tue.

Ich möchte nicht auffallen, mich nicht ausgrenzen.

Ich wäre so gern einfach nur still.

Ich würde so gern einfach nur so vor mich hin sinnen.

Ich bin anders.

 

Ich laufe hier hin und dort hin.

Achte auf die Zeit, pünktlich sein, anwesend sein.

Überall sind Menschen. Mal weniger, mal mehr.

Überall kann ich reden, zuhören, aufnehmen, teilnehmen …

Es fällt mir so schwer. Ich wär lieber still.

Die Welt ist so laut, so bewegt, so aktiv, so …

Ich komme nicht mit.

Mein Kopf schreit nach Ruhe und Stille.

Kein hier und kein da, kein Menschengewimmel.

Ich bin anders.

 

Und doch bin ich hier, weil ich es will.

Ich möchte das Eine, dass ohne das Andere nicht geht.

Ich möchte loslassen lernen, ich möchte verarbeiten.

Ich möchte mich selbst lieben lernen, mich selbst achten.

Ich weiß, es ist eine Chance Gefühle frei zu lassen.

Ich weiß, es ist eine Chance die Vergangenheit endlich zu begraben.

Ich weiß, es ist eine Chance auch Trauer anzunehmen.

Ich weiß, es ist eine Chance besser zu leben.

… und doch ist mir diese Welt zu laut.

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