Ich bin anders. Warum? Vom Leben geprägt, schlägt die Vergangenheit hohe Wellen.

Vom anders sein

Ich bin anders.

 

Scheinbar ganz normale und banale Begebenheiten oder Worte verletzen mich tief. Sie tun mir weh. Sie lassen mich in das tiefe graue Loch fallen und an mir selbst zweifeln. Ich bin gefangen in der Situation und meine Gedanken fahren Achterbahn.

 

Ich bin auf der Suche nach einer Lösung oder Erklärung. 

Warum?

Mich jagen meine Gedanken und ich dreh mich im Kreis. Warum bin ich so anders? Warum brauche ich immer Antworten oder eine Erklärung, wenn etwas nicht stimmt? Warum kann ich nicht einfach darüber hinweg gehen? Warum nimmt mich "tot-schweigen" so mit? Warum bin ich so. Warum warum warum ... Warum fühle ich mich so Scheiße? Warum fühle ich mich so anders. Warum bin ich so sensibel? Warum kann ich nicht einfach den Mund halten? Warum können es andere cool ignorieren oder akzeptieren und ich dreh mich im Kreis? Ich bin für die wirkliche Welt nicht gemacht.

 

Ich sollte wieder zurück in mein Schneckenhaus gehen, da war es ruhig.

 

Banalitäten - Werte - Kämpfe

Natürlich bin ich mir bewusst, dass es hier und da mal unbedachte Äußerungen oder Äußerungen im Affekt gibt, aber wenn solche Dinge mehrfach an einem Tag und noch in der Anwesenheit von anderen passieren, kann ich überhaupt nicht damit umgehen. Es muss doch auch möglich sein, meine Fragen zu beantworten, wie auch immer. Ich kann es nicht aushalten. In mir tobt ein Krieg und ich bin innerlich angespannt wie eine überzogene Gitarrensaite.

 

Für andere mag es banal sein und möglicher normaler Umgangston. Mich verletzt es. Zu mal es mir mit, mir wichtigen, Personen passiert. Ja, es sind meine Erwartungen und meine Wertvorstellungen. Ja, es ging mir den Tag nicht sehr gut und man hat es bemerkt. Und doch gab „banale“ Situationen, die mir das Gefühl vermitteln, nicht gut genug zu sein, alles falsch zu machen, dumm zu sein und wie immer, allein damit zu sein. „Banale“ Situationen die keiner Worte bedürfen. Alles gut, das Leben geht ganz normal weiter. Nicht für mich.

 

Nur ich, kämpfe mit meinen Nöten und Gefühlen. Mein Therapiegespräch bringt mich nicht wirklich weiter, auch wenn die Therapeutin es mutig und richtig findet, dass ich die Lästerei beenden wollte. Die Therapeutin hat versucht mir zu vermitteln, dass ich darauf stolz sein kann, meine Sichtweise klar ausgesprochen zu haben. Es hilft mir nicht weiter, weil ein Mensch den ich liebe, mir das Gefühl gibt, nicht gut genug zu sein, alles falsch zu machen. Ich bin keine Antwort wert.

 

Vergangenheit im Jetzt - Das innere Kind

„Was machen diese Dinge mit ihnen?“ „Woher kennen sie diese Gefühle?“

Ich bin anders. Das weiß ich seit Kindesbeinen an. Mein ganzes Leben bestand daraus, dass ich stets dieses Gefühl hatte. Vergangenheit. Ja, mein Vater und andere Menschen haben ganze Arbeit geleistet, wird mir bewusst. Das ändert aber nichts daran, dass ich jetzt so fühle. 

 

Es sind ähnliche Handlungen, die da triggern und meine Verletzung noch verstärken. Ich habe so oft im Leben abwertende Worte oder Sätze, abwertende oder entnervte Blicke bekommen, unter dem Motto: „Selbst schuld“, „Du wieder“ oder „Halt den Mund, sonst...“.

 

Ja, lästern ist mir nicht unbekannt und ja, ich habe es auch schon getan. Aber in der Weise, wie ich es jetzt erlebt habe, derartig unterirdisch über ein Kind herzufallen, das kann und will ich nicht ertragen. Ich weiß selbst noch sehr gut, wie ich mich gefühlt habe und ich habe es zu oft erlebt. Ich kann es nicht mehr ertragen, das Menschen nach ihrer Bildung bewertet werden. "Das sind Kinder, die lästern nun mal". Wie sollen es Kinder lernen, wenn es ihnen niemand sagt.

 

Mir wird gerade klar, dass ich wieder in den Kindheitserinnerungen gefangen bin. Ich bin wieder hilflos und überfordert. Sie fallen über mich her und ich fühle mich ausgeliefert und ohnmächtig. Ich hasse es. Ich will kein Opfer mehr sein. Nie wieder, habe ich mir vor 7 Jahren geschworen. In mir verweigert sich alles. Ich weiß, wenn ich nicht lerne genau diese Gefühle zu zulassen, sie nicht mehr zu hassen, werde ich nicht zu meinen Gefühlen zurück finden. Ich kann nicht das eine haben und das andere nicht. Gefühle sind Gefühle und sie dürfen alle sein.

 

Es ist meine Verantwortung

Gerade habe ich gelesen: Es ist meine Verantwortung, wie ich mit der Situation umgehe.

 

Ich will das einfach nicht mehr und ich will es auch nicht wortlos hinnehmen. Ich denke gerade Kinder sollten frühzeitig lernen, dass Lästern und abwertende Worte inakzeptabel und verletzend sind. Das ist für mich kein normales Umgangsverhalten von Kindern.

 

Ich möchte nicht mehr jede Handlung oder jeden Satz, den ich hingeworfen bekomme, hinnehmen. Ich möchte nicht mehr, ohne Antwort oder Erklärung, Verhaltensweisen mir gegenüber akzeptieren. Aber wie bekomme ich Antworten, wenn mein Gegenüber, meinen Wunsch einfach ignoriert? Es ändert sich nicht. Immer wieder stehe ich hilflos da und nur ich kann damit nicht umgehen. 

 

Vertraue dir selbst, alles was du brauchst ist in dir!

Wenn das nur so einfach wäre, wie es geschrieben ist. Ich vertraue meinen Werten nicht. Sie geraten sofort ins Wanken, wenn ich keine Antwort erhalte oder eine abwertende Reaktion. Mein Verstand weiß, dass ich auf dem richtigen Weg bin, gute Gedanken und Werte habe, dass ich nicht dumm bin. Was andere Menschen verstehen, daraus machen oder darüber denken, ist nicht in meiner Verantwortung. Ich kann nicht zu mir selbst stehen. Der innere Kritiker, das innere Kind, ist noch stärker als mein Verstand.

 

Ich bin auf der Suche nach einer Erklärung. Noch immer. Es tut mir sehr weh. Vielleicht schämt er sich, für mich? Vielleicht hat er es satt, das ich wieder meine Meinung sage oder anders reagiere als alle anderen? Vielleicht bin ich einfach nur kompliziert und zu sensibel? Vielleicht bin ich einfach wirklich nicht gut genug. Vielleicht.

 

Und doch bin ich ein wertvoller Mensch.Vielleicht.

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Kommentare: 2
  • #1

    Brigitte Dominici (Freitag, 29 Juni 2018 20:25)

    Interessanterweise ist das auch grade mein Thema - wie so oft zweifle ich an mir sobald
    jemand mir Nahestehender oder auch Therapeuten etwas in Frage stellen.
    Auch wenn es sich nur um eine einzige Sache handelt, stelle ich sofort meine g a n z e Person in Frage und traue mir nichts mehr zu, leider.
    In dieses Muster falle ich schon seit 17 Jahren immer wieder zurück.
    Glg Brigitte

  • #2

    Heike Pfennig (Freitag, 29 Juni 2018 21:19)

    Liebe Brigitte, genau so und die Depression hat es an die Oberfläche gebracht. Es ist in der Kindheit oder in einer heftigen schlechten Beziehung geprägt worden, so sehr, dass diese Verhaltensmuster sehr lange benötigen und viel Arbeit an uns selbst, damit sie besser werden. Ja, das innere Kind bzw. der innere Kritiker haben dann sofort die Oberhand. Leider wird es auch dadurch noch schlimmer, das wir uns selbst über unser Verhalten ärgern. Ich drück dich lieb aus der Ferne. <3 Liebe Grüße Heike